11. November 2007 16:39

Finanzdienstleister 

General-Partners wegen Betrugs und Untreue vor Gericht

Sechs hohe Entscheidungsträger des Finanzdienstleisters GP sollen u.a. Geld von Anlegern "ausgeborgt" haben.

General-Partners wegen Betrugs und Untreue vor Gericht
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Am Wiener Straflandesgericht wird am Dienstag der Prozess gegen die Manager der General Partners-Gruppe eröffnet. Der ehemals börsenotierte Finanzdienstleister war im September 2001 in den Konkurs geschlittert. Die Anklage wirft nun der Chef-Etage schwere Betrügereien vor.

Betrug und Untreue
General Partners-Chef Wolfgang Kössner ist des schweren gewerbsmäßigen Betrugs und der Untreue angeklagt. Vier frühere Vorstände - darunter Kössners Bruder Martin - und der damalige Prokurist der General Commerce Bank (GCB), Rudolf Petritsch, sind mitangeklagt.

Ein Stück Justizgeschichte
Die ursprünglich in Klagenfurt anhängige und dann in die Bundeshauptstadt delegierte Causa dürfte in die Justizgeschichte eingehen. Über sechs Jahre hat das gerichtliche Vorverfahren in Anspruch genommen.

Wolfgang Kössner und Petritsch sollen Gelder von zwei Großkunden veruntreut haben. Als in der Finanzgruppe Geld für einen Immobiliendeal benötigt wurde, sollen die beiden die Mittel mit Wertpapiergeschäften auf Kosten der beiden Kunden - die Schweizer SEZ Holding AG des Villacher Halbleiterausrüsters SEZ und ein italienischer Wirtschaftsprüfer - besorgt haben.

Aktienkäufe floppten
Im Fall des Italieners belief sich der Kursverlust aus dem Erwerb von 8.000 Aktien innerhalb eines halben Jahres auf über 110.000 Euro. Im Fall der SEZ erlitten die gekauften Aktien einen Kursverlust von 179.000 Euro.

Wertpapierrollen
Der zweite der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: der gesamte Vorstand hätte zulasten mehrerer Banken Wertpapierrollen betrieben. In einer Anzeige der Hypo Alpe Adria war dieser Verdacht geäußert worden plus die Vermutung, die GP könne ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.

Innerhalb der GP-Gruppe sollen Wertpapiere ein- und verkauft worden sein, die von Unternehmen der Finanzgruppe selbst begeben worden waren. Auf diese "virtuellen Gewinne" sollen die Beschuldigten Kredite aufgenommen haben.

Schaden für CA und Raika
Die damalige Creditanstalt wurde der Anklage zufolge dadurch um fast 5,1 Mio. Euro geschädigt, die Raiffeisenbank Landskron-Gegendtal um knapp 2 Mio. und die Raiffeisenbank Horitschon um rund 340.000 Euro.

10 Jahre Haft
Vorerst sind sechs Verhandlungstage ausgeschrieben. Ob das Verfahren - wie geplant - am 23. November zu Ende gehen wird, scheint aber fraglich. Im Fall von Schuldsprüchen drohen den Angeklagten, die sämtliche Anschuldigungen zurückweisen, bis zu zehn Jahre Haft.




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