17. Dezember 2009 11:39
In Griechenland haben am Donnerstag nach der Ankündigung eines massiven
Sparprogramms zur Abwendung des Staatsbankrotts landesweite Streiks der
Ärzte und der Journalisten begonnen. Die Streiks richten sich gegen die
Sparpolitik der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Giorgos
Papandreou und gegen Pläne, finanziell gesunde Rentenkassen mit defizitären
zu fusionieren. Zudem fordern die Krankenhausärzte Anstellungen von mehr
Personal.
In Krankenhäusern wurden nur dringende Fälle behandelt. Seit 05.00 Uhr
MEZ gab es im Radio und Fernsehen keine Nachrichten mehr. Der Streik der
Journalisten soll um 05.00 am Freitag früh beendet werden. Dagegen wurde ein
geplanter Streik der Besatzungen der Fähren abgesagt. Ein Gericht erklärte
ihn für illegal. Am Vortag hatten bereits die Lehrer gestreikt.
Kreditrating gesenkt
Am Mittwoch hatte die Ratingagentur Standard
& Poor's (S&P) ihr Kreditrating für Griechenland gesenkt. Die
Kreditwürdigkeit des Landes werde von "A-" auf "BBB+" reduziert, teilte S&P
in London mit. Die zuletzt getroffenen Sparmaßnahmen der griechischen
Regierung reichen laut Standard & Poor's nicht aus, um eine nachhaltige
Verminderung des Defizits zu erreichen. Zudem dürften Anstrengungen der
Regierung zur Reform der öffentlichen Finanzen große Widerstände in
Griechenland erfahren.
Bisher ist es den Sozialisten gelungen, die Proteste in Grenzen zu
halten: Die zwei größten Gewerkschaften GSEE und ADEDY hielten sich zunächst
zurück. Ihre Vorstände, die überwiegend von den Sozialisten kontrolliert
werden, wollten der Regierung noch Zeit geben. Banken, Busse und Bahnen
sowie der wichtige Bereich Tourismus wurden am Donnerstag nicht bestreikt.
Auch der Flugverkehr wurde normal abgewickelt.
Papandreou hatte alle Griechen aufgerufen, "die Reihen zu schließen" und
gemeinsam zu handeln. Nur so könne eine Pleite des hoch verschuldeten Landes
verhindert werden. Mit 300 Milliarden Euro Schulden laufe das Land Gefahr,
praktisch seine Souveränität zu verlieren. Im Jänner muss Athen seine
Finanzpolitik detailliert der EU in Brüssel präsentieren.
Papandreou kündigte an, Korruption, Vetternwirtschaft und
Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Er will zudem Umwelttechnologien fördern,
die Privatisierung von Staatsbetrieben voranbringen und die Rentenkassen
sanieren.