05. Dezember 2007 15:08

66 Mio Euro 

Geschädigte in Amis-Affäre bekommen Geld zurück

16.000 Geschädigte aus der Amis-Affäre erhalten ihr Geld zurück. Bis zu 60 Prozent Wiedererhalt des verlorenen Betrages sind möglich.

Geschädigte in Amis-Affäre bekommen Geld zurück
© dpa

Für die 16.000 geschädigten Amis-Anleger gibt es ein verfrühte Weihnachtsgeschenk: Im Februar wird die erste Tranche von 20 Prozent des eingezahlten Geldes aus der Liquidation der Luxemburger Amis-Fonds ausbezahlt, berichtet das "Wirtschaftsbaltt" am Mittwoch. Laut Franz Kallinger vom Prozessfinanzierer AdvoFin, der den Amis-Sammelklageverein vertritt, wurden etwa 80 Prozent der Anlegerforderungen von den Liquidatoren anerkannt. In den strittigen Fällen müssen unter anderem Einzahlungsbelege nachgereicht werden.

Bis zu 60 Prozent des eingezahlten Geldes zurück
Konkret sollen die Amis-Anleger isngesamt 66,47 Mio. Euro aus der Verwertung der Luxemburger Fonds erhalten. Unterm Strich bekommen sie damit 50 bis 60 Prozent des eingezahlten Geldes zurück. Wie berichtet haben die rund 16.000 Anleger in Summe 140 Mio. Euro in die Amis-Produkte Amis Funds, Top Ten Mulitfons und Vario Invest investiert.

Bei der Ende November in Luxemburg abgehaltenen Gläubigerausschusssitzung haben die Liquidatoren um Yvette Hamilius laut "WirtschaftsBlatt" bekanntgegeben, dass voraussichtlich Ende Dezember die Prüfung der Anlegeransprüche abgeschlossen wird. Dann soll vom Luxemburger Handelsgericht der erste Verteilungsvorschlag, der eine erste Quote von 20 Prozent vorsieht, abgesegnet werden. "Die Liquidatoren haben zugesagt, dass ab Februar 2008 ausgezahlt werden kann", bekräftigte Kallina.

45 Tage Zeit
Außerdem sei ein weiteres "informelles Prozedere" zu den Divergenzen im Datenbestand beschlossen worden, um weitere Gerichtsverfahren zu vermeiden. "Jeder Anleger, bei dem der Datenstand nicht übereinstimmt, wird verständigt, um seine Forderung in der angemeldeten Höhe unzweifelhaft nachzuweisen", sagte Kallinger. Unter anderem mit Einzahlungsbelegen. Sollten die Liquidatoren weiterhin anderer Ansicht sein, hat der Anleger 45 Tage Zeit, vor Gericht zu gehen. Laut Kallinger sollen aber ungefähr "80 Prozent" der Anmeldungen "als in Ordnung befunden" worden sein.

Am Montag beginnt der ins Wiener Austria Center verlagerte Strafprozess um die mutmaßlichen Betrügereien bei der Amis-Gruppe. Staatsanwalt Georg Krakow will den fünf Angeklagten insgesamt einen Schaden von 62,17 Mio. Euro umhängen, berichtet das "WirtschaftsBlatt" weiter.

Neben Amis-Mastermind Harald Loidl und den Ex-Vorständen Dietmar Böhmer und Thomas Mitter sind die Ex-Amis-Fondsmanager Alban Kuen und Wolfgang Gänsdorfer angeklagt. Der Prozess ist für vierzehn Tage anberaumt.

Laut Bericht will Böhmer, der schon im Vorverfahren die Untreue gestand, schon am ersten Verhandlungstag reinen Tisch machen und "sich auch hinsichtlich des schweren gewerbsmäßigen Betruges geständig verantworten", bestätigte Ewald Scheucher, Verteidiger von Böhmer laut "WirtschaftsBlatt".

"Mein Mandant hat eingesehen, dass es eine betrügerische Handlung ist, den Kunden nicht erklärt zu haben, dass die Provisionen aus den Kundengeldern finanziert werden." Das wurde deshalb verschwiegen, "weil sonst keiner angelegt hätte".

Die Idee von dem geplanten Provisions-Factoring, das sie sich von der Versicherungsbranche abgeschaut hätten, sei nicht aufgegangen, da sich keine Bank dafür gefunden habe. Trotzdem wurde das "Factoring-System" bei Amis durchgezogen. "Das meiste Geld haben sie gebraucht, um das Provisionssystem zu bedienen" sagte Scheucher. "Das Um und Auf war der Vertrieb." Nachsatz: "Wenn das Ganze irreal war, hat mein Mandant in der Wahnidee gelebt, das Ruder herumzureißen und das Werkl zu retten."

Auch Loidl und Mitter sollen geständig sein. Kuen plädiere nicht schuldig. Gänsdorfers Verfahren soll ausgeschieden werden, da sich sein neuer Pflichtverteidiger erst in den Fall einarbeiten müsse.




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