05. November 2008 18:56

Härtester Widerstand 

Gewerkschaft wehrt sich gegen Postämter-Schließungen

Pläne der österreichischen Post für eine weitere drastische Postamtsschließungswelle bringen die Gewerkschaft auf die Barrikaden.

Gewerkschaft wehrt sich gegen Postämter-Schließungen
© APA

"Wenn das stimmt, gibt es den härtesten Widerstand, den man sich vorstellen kann", sagte am Donnerstag Vormittag Postgewerkschaftschef Gerhard Fritz. Die Post hat unterdessen die Schließung von 25 Postämtern in Ballungsräumen bestätigt. Zu den kolportierten Zahlen wurde kein Kommentar abgegeben.

In seiner Donnerstags-Ausgabe hat der "Standard" berichtet, die Post wolle rund 400 weitere Postämter zusperren. Bei 300 Filialen sei das Schicksal offenbar schon besiegelt, bei 100 lege sich die Post-Vertriebspartnerin BAWAG PSK noch quer. Die Schließungen von etwa einem Viertel aller Postämter sollen, so die Zeitung, ab 2009 verteilt bis 2011 über die Bühne gehen. Das "Redimensionierungsprogramm" solle Thema im Aufsichtsrat Mitte nächster Woche sein.

Gewerkschaft fordert Aufklärung
In der Postgewerkschaft ist man dabei, diesen schockierenden Zahlen nachzugehen. Bisher ohne Erfolg. "Stimmt das, stimmt das nicht. Wir wissen es nicht", so Fritz. "Stimmt es nicht, könnte die Post das ja gleich sagen." Die Belegschaft sei zutiefst verunsichert. Fritz verlangte heute volle und lückenlose Auskunft noch vor der Aufsichtsratssitzung am nächsten Mittwoch, erinnert die ÖIAG und die Post-Verantwortlichen dabei ausdrücklich ans Aktiengesetz.

Zentralbetriebsratssitzung einberufen
Für Donnerstag, den 13. November, sei für alle Fälle bereits eine Zentralbetriebsratssitzung einberufen, kündigte der oberste Post-Gewerkschafter an. Dort werde man "weitere Maßnahmen" beraten.

Ob das Streik heißt? "Wir nehmen dieses Wort nicht in den Mund. Aber alles ist möglich", sagte Fritz. Es gehe um existenzielle Fragen für die Post-Beschäftigten.

Post: Ab Februar 25 Filialen weniger
"Zahlen kommentieren wir nicht", so die Stellungnahme der Post auf Fragen zur kolportierten Schließung von 300 bis 400 Postämtern. Ab Februar 2009 sollen 25 Filialen in Ballungsräumen mit anderen, in der Nähe liegenden Ämtern zusammengelegt werden, sagte Post-Sprecher Marc Zimmermann. Dabei verliere aber "kein einziger Mitarbeiter" seinen Job. Die Schließung der 25 Filialen sei schon beim Regulator angemeldet.

Fünf der 25 Postämter befinden sich laut Zimmermann in Graz. Deren Schließung sei bereits mit dem Bürgermeister besprochen worden. Über die übrigen 20 Filialen werde "im Laufe der nächsten Wochen" Gespräche mit den Ortschefs geführt. Die Post evaluiere jährlich ihr Filialnetz. Heuer seien die Ballungsgebiete bewertet worden.

Im Aufsichtsrat am Mittwoch soll laut Zimmermann das dritte Quartal beschlossen werden. Außerdem werde der Vorstand eine "Strategie" vorlegen. Details wurden nicht genannt.

"Geschäftsschädigung"
Postgewerkschaftschef Fritz hat den Post-Verantwortlichen "Geschäftsschädigung" vorgeworfen. Die Schließung von 300 bis 400 Postämtern brächte auch einen millionenschweren Provisions-Entfall. In der jetzigen Finanzkrise wäre eine Ausdünnung des Poststellennetzes, über das die BAWAG PSK ja auch Spargelder einsammelt, zudem kontraproduktiv.

Die österreichische Post, die der seit Mai 2007 hauptsächlich dem US-Fonds Cerberus gehörenden BAWAG PSK per Vertrag bis 2015 die Mitbenutzung ihrer Postämter erlaubt, ist seit vorigem Jahr mit 5 Prozent an der BAWAG PSK beteiligt. Die Post kassiert für die Postamtsvertriebskooperation mit der Bank jährlich Provisionen. Für das Jahr 2006 waren das 96 Mio. Euro, im Jahr 2007 waren es 92 Mio. Euro. Je weniger Postämter, desto weniger "Cash" fürs Post-Ergebnis aus dieser Schiene.

Über 25 beim Regulatur zur Schließung angemeldete Post-Filialen in Ballungszentren hinaus liegen den Gewerkschaften derzeit keine Listen vor, und auch wegen der 25 fixen Schließungskandidaten wurde bereits Protest formuliert. Die Post hat sich bisher nicht zu darüber hinaus gehenden Zusperrplänen geäußert.




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