15. März 2009 10:43

ORF-Sparpläne 

Gleich drei Direktoren weniger

Mit aller Kraft versucht ORF-Boss Alexander Wrabetz 60 Millionen Euro einzusparen.

Gleich drei Direktoren weniger
© Fally

High Noon im ORF-Zentrum: Generaldirektor Alexander Wrabetz kämpft mit allen Mitteln um sein Überleben am Küniglberg und um die wirtschaftliche Situation des Rundfunkbetriebs. Denn die Bilanzen zeigen ein Minus von 80 Millionen Euro für 2008.

Fast täglich beruft Wrabetz derzeit Geheimsitzungen ein, in denen ein Strategiepapier für die Zukunft des ORF (Motto: „ORF 2020“) entwickelt wird. Inhalt ist der Rettungsplan für den größten Medienbetrieb des Landes. Insgesamt soll der Sparplan – wie Wrabetz ÖSTERREICH bereits vor zwei Wochen ankündigte „bis zu 100 Millionen Euro“ an Sparpotenzial bringen.

Am Montag wird in einer Sitzung der ORF-Führung das detaillierte „Strategie-Papier“ finalisiert – am Donnerstag, dem 19. März, wird es allen Stiftungsräten zugesandt – am 2. April soll der Stiftungsrat darüber abstimmen, ob die Wrabetz-Strategie eine mehrheitliche Zustimmung findet.

Einige Details des Top­secret-Papiers erfuhr ÖSTERREICH vorab.

Die brisanteste Neuigkeit ist, dass die ORF-Führung, die derzeit aus sechs Direktoren besteht, auf die Hälfte gekürzt werden soll. Künftig soll es laut dem Wrabetz-Plan im ORF nur noch drei Direktoren geben:

-Einen Direktor für kaufmännische und technische Angelegenheiten.

-Einen Direktor für Radio, Online und Teletext.

-Und nur noch einen Fernseh-Direktor. Statt einem eigenen Programm- und einem zusätzlichen Informationsdirektor soll künftig nur mehr ein einziger TV-Direktor den ganzen Fernsehbereich leiten.

Für alle drei Direktoren gibt es bereits konkrete Namen:

– Fernseh-Direktor soll der ÖVP- und Pröll-nahe Richard Grasl werden.

– Radio- und Online-Direktorin wäre die SPÖ- und Häupl-nahe Brigitte Wolf.

– Der kaufmännische Direktor soll ein „unabhängiger Fachmann“ sein. Einer der Favoriten: Medien-Manager Michael Grabner.

Wrabetz selbst gibt im ÖSTERREICH-Gespräch zu, dass die Führungsebene gestrafft gehört. Laut seinen Vorstellungen kann man von 100 ORF-Chefs rund ein Viertel wegkürzen.

Für das Sparprogramm („Bis zu 100 Millionen!“) gibt es konkrete Pläne: forcierte Pensionierungen, 250 Mitarbeiter werden durch natürlichen Abgang abgebaut, die großzügigen Zulagen der ORF-Angestellten sollen drastisch reduziert werden. Wochenend- und Nachtzulagen sowie das Jubiläumsgeld sollen gestrichen werden.

Regierungs-Programm
Im Wrabetz-Strategiepapier weiters enthalten: Eine Verkleinerung des Stiftungsrats zum Aufsichtsrat mit nur mehr 8 bis 10 Mitgliedern, ein neues Standort-Konzept des ORF (ohne Absiedlung vom Küniglberg), der Umbau des ORF zu einem „tri-medialen“ Unternehmen, das TV, Radio und Online verbindet.

Das Wrabetz-Papier liest sich fast wörtlich wie die Pläne, die Kanzler Faymann und sein Staatssekretär Ostermayer mit dem ORF haben.

Daraus schließen Insider, dass Wrabetz einen Coup versuchen will: Weiter Generaldirektor bleiben – aber mit neuem Team.




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