10. September 2007 21:35

FMA prüft 

Grasser nun im Meinl-Strudel

FMA prüft Rolle der Meinl Bank als Market Maker und ob die MEL-Affäre mit Grassers Börsengang der Meinl International Power zu tun hat.

Grasser nun im Meinl-Strudel

Der freie Fall der Aktien von Meinl European Land (MEL) ist nicht zu stoppen. Gestern ging es wieder um neun Prozent nach unten. Das Papier notierte am Nachmittag bei 8,95 Euro. Der Höchststand im Juli betrug 21,35 Euro.

Rund 150.000 Kleinanleger fühlen sich geprellt. Denn bis Ende Juli kaufte die MEL - ohne Information an die Aktionäre - fast 90 Millionen eigene Aktien zurück und hielt das Immobilienpapier auf diese Weise gegen den Branchentrend auf Kurs. Nachdem dieses bekannt wurde, krachte es umso lauter. Der Vertrauensverlust ist so gravierend, dass es kein Halten mehr gibt.

Mehrere Investorengruppen bereiten schon Schadensersatzklagen vor, warten aber möglicherweise auf einen ersten Bericht der Finanzmarktaufsicht (FMA), die den Fall untersucht.

Gute Chancen
Laut dem Chef der Übernahmekomission, dem Juristen Peter Doralt, stehen die Chancen für Anleger gar nicht schlecht, weil Publizitätsvorschriften verletzt worden seien. Auch bei Finanzdienstleistern, die MEL-Aktien vertrieben haben, steigt die Nervosität. Sie laufen einerseits Gefahr, von Kunden geklagt zu werden, weil sie Meinl-Papiere als sicheres Investment verkauften. Andererseits überlegen sie ihre Klagen gegen MEL. So erklärte der Salzburger Strukturvertrieb OBV in der Vorwoche gegenüber ÖSTERREICH, bereits einen Anwalt mit der Analyse der Cause beauftragt zu haben.

Hohe Gebühren
Finanzinsider gehen mittlerweile davon aus, dass Julius Meinl V. und seine Meinl Bank als Gründer und sogenannter Market Maker der MEL in jedem Fall Schadensersatz zahlen muss. So ist zu hören, dass die Market-Maker-Gebühren der Meinl Bank das branchenübliche Niveau um ein Vielfaches übersteigen. Die FMA hat MEL-Untersuchungen bereits um eine Sonderprüfung der Meinl Bank erweitert.

Auch Karl-Heinz Grasser gerät zunehmend ins Visier. Denn ein Aspekt, auf den ÖSTERREICH öfters hinwies, rückt immer mehr ins Zentrum der Affäre: Wurde die MEL-Aktie gestützt, bis der Börsengang von Meinl International Power mit Grasser am 24. Juli erfolgreich abgeschlossen war?

Übernahme?
Eine Übernahme der MEL ist auch nicht mehr ausgeschlossen. "Es würde mich nicht wundern, wenn ein Investor oder Partner auf diesem Niveau kauft", meint MEL-Sprecher Rupert-Heinrich Staller.

Er bezeichnete den Wert pro Aktie auf Basis des MEL-Vermögens auf 15 Euro. Im Rahmen eines Sanierungspakets kündigte Staller "fundamentale Verhaltensänderungen" der FIrma an.




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