07. Oktober 2007 11:34

Nemsic-Interview 

"Handys haben mit Politik nichts zu tun"

Im ÖSTERREICH-Interview spricht TA-Chef Nemsic über neue Wachstumschancen im Mobilfunk und Handybetreiber als Weltverbesserer.

"Handys haben mit Politik nichts zu tun"
© TZ OESTERREICH Niesner Lisi

Mit der Übernahme des weißrussischen Mobilfunkanbieters MDC (Kaufpreis: bis zu 1,5 Milliarden Euro) expandiert die Telekom Austria (TA) weiter Richtung Osten. Neben Österreich ist die TA im Mobilfunk in Kroatien, Slowenien, Bulgarien, Serbien und Mazedonien tätig. Insgesamt hat sie jetzt knapp 14 Millionen Handykunden.

ÖSTERREICH: Herr Nemsic, den Weißrussland-Deal hatten Sie am Ende sehr schnell unter Dach und Fach.

Boris Nemsic: Ja, wir haben Gas gegeben und uns diesmal nicht überraschen lassen. Je länger die Vorbereitungen gedauert haben, desto sicherer waren wir, dass es am Schluss rasch geht.

ÖSTERREICH: Wann starten Sie in Weißrussland?

Nemsic: Wir müssen das sogenannte Closing des Deals abwarten. Eine rein formale Sache, die wohl noch im vierten Quartal passiert. Danach kann es gleich losgehen. Aber das Geschäft in Weißrussland läuft ja bereits, wir übernehmen dort einen gut funktionierenden Betreiber und fangen nicht auf der grünen Wiese an.

ÖSTERREICH: Was ist für die TA besonders attraktiv am weißrussischen Markt?

Nemsic: Die Handypenetration liegt dort nur bei 66 Prozent. In den anderen europäischen Märkten sind es meist über 100 Prozent, es gibt also noch enormes Wachstumspotenzial. Da geht es nicht um Marktanteile – wir haben mit MDC 42 Prozent – sondern um echte Stärkung der eigenen Kundenbasis.

ÖSTERREICH: Wo sehen Sie das meiste Potenzial?

Nemsic: Im Unterschied zu anderen Märkten ist in Weißrussland der Prepaid-Markt kaum entwickelt. Das ist sonst meist das Erste – hier hat man damit aber erst vor einem Jahr begonnen. Da ist also enorm viel drin. Außerdem bringen wir unsere Erfahrungen als Innovationsführer mit. In Bezug auf neue Mobilfunk-Technologien und Services ist dieser Markt unbeackert. Es gibt eine Fülle neuer Chancen.

ÖSTERREICH: Weißrussland ist allerdings ein ziemlich brisantes Pflaster.

Nemsic: Das ist richtig und trifft für die Politik zu. Aber wir sind ein Mobilfunkunternehmen. Handys haben mit Politik nichts zu tun. Was Telekommunikation betrifft, herrscht dort eine geregelte Situation. Wir treten nicht an als Weltverbesserer. Aber ich bin überzeugt: Je mehr westliche Wirtschaftsstandards angewendet werden, desto besser ist es für die gesamte Situation im Land.

ÖSTERREICH: Sie erwarten also keine gröberen Probleme?

Nemsic: Ich bin guter Dinge, denn wir haben Erfahrung in schwierigen Märkten. Und die Leute haben die falsche Vorstellung, dass Weißrussland am Ende der Welt liegt. Von Wien nach Minsk fliegt man 1,5 Stunden. Mit einer langsamen Maschine braucht man nach Vorarlberg auch so lang.




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