13. September 2007 13:45

BAWAG-Prozess 

Hardware versagte, Daten weg

Investment-Banker Flöttl will kein Unterlagen über die bis 2000 getätigten Geschäfte besitzen. Ein Hardware-Fehler soll die Daten vernichtet haben.

Hardware versagte, Daten weg
© APA

Der langjährige Mitarbeiter von Investmentbanker Wolfgang Flöttl, David Worsfold, hat am Freitag im BAWAG-Prozess den Verlust der Unterlagen zu den Geschäften von Flöttls Firma Ross Capital mit der BAWAG erläutert. Die Geschäfte seien zwar schon im Computer der Firma dokumentiert gewesen, ein Hardware-Fehler nach dem Jahr 2000, als die Firma ihren Betrieb eingestellt hatte, habe jedoch die Daten vernichtet, sagte der Brite Worsfold bei seiner von einem Dolmetscher im Gerichtssaal aus dem Englischen übersetzten Zeugeneinvernahme. "So ein Pech", kommentierte Richterin Claudia Bandion-Ortner.

Flöttl hatte zuvor am Montag erklärt für die mit der BAWAG bis zum Jahr 2000 getätigten Geschäfte keine Belege mehr zu besitzen, weil er sein Büro in Bermuda aufgelöst habe. Er sei nicht verpflichtet, die Unterlagen aufzuheben. Das hatte bei Richterin Claudia Bandion-Ortner und den Anwälten anderer Angeklagten einiges Erstaunen ausgelöst. Für die Verlustgeschäfte 1998 und 2000 habe er alle Akten und Verträge an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen weitergeleitet, die Verlustbestätigungen (Audits) erstellt hatte, betonte Flöttl. Für die im Jahr 1999 erlittenen Verluste hatte Andersen kein Audit gemacht. Flöttl erklärte dazu heute vor Gericht, er besitze selber keine Belege mehr für die im Jahr 1999 getätigten - auch mit Millionenverlusten beendeten - Neuveranlagungen von BAWAG-Geldern.

Sicherheitskopien beschädigt
Die Flöttl-Firma auf Bermuda, Ross Capital, habe ihre Geschäfte immer telefonisch abgeschlossen, so Worsford. Daraufhin kamen schriftliche Bestätigungen der Geschäftspartner per Fax. Die Geschäfte wurden dann EDV-mäßig verbucht, schilderte Worsfold. Die Daten gebe es aber nicht mehr. Zu Jahresende 2000 wurde die Gesellschaft aufgelöst, dann sei das EDV-System noch 18 Monate gelaufen. "Dann hatten wir ein Hardware-Versagen, das konnte nicht behoben werden", sagte Worsfold. "Gab es keine Sicherungskopien?" fragte die Richterin nach. "Doch", so der Zeuge, aber als man die Bänder abgespielt habe, habe man festgestellt, dass sie leer und beschädigt waren.

Arbeitslos
Der heute 36-Jährige schilderte zuvor kurz seinen beruflichen Werdegang. In Großbritannien habe er mit 16 Jahren die Schule abgeschlossen, 1987 begann er dann bei einer Bank in London zu arbeiten. Eine Universität oder ein College besuchte er nicht. Ab Juli 1993 arbeitete er für Flöttls Gesellschaft Ross Capital auf den Bermudas. Worsfold erklärte in der Befragung, dass er noch immer als "Berater" für Flöttl arbeite. Er verwalte ein kleines Eigenkapital-Portfolio, sei aber seit Ende 2006 nicht mehr aktiv gewesen. In Wien befinde er sich gerade aus persönlichen und beruflichen Gründen: "Ich suche eine Beschäftigung". Heute Abend werde er Österreich wieder verlassen.

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Für einige Aufregung bei der heutigen Fortsetzung der Zeugeneinvernahmen im BAWAG-Prozess sorgte die ehemalige Leiterin der BAWAG-Fachabteilung Beteiligungen, Ingrid Winter-Reumann, mit ihrer Aussage, sie hätte noch 2006 gemeinsam mit dem damaligen BAWAG-Vorstand Peter Nakowitz zu einem Treffen mit dem Investmentbanker Wolfgang Flöttl fahren sollen. "Ich fahre mit, aber sicher nicht alleine, nicht ohne Begleitung der Rechtsabteilung", habe sie darauf geantwortet.

Flöttl und Nakowitz dementierten im Anschluss an die Befragung der Zeugin, die gesondert vernommen worden war, diese Aussage: "Das ist frei erfunden", sagte Nakowitz. So ein Treffen sei sicherlich nicht vorgesehen und auch nicht angedacht gewesen, meinte auch Flöttl auf Befragung durch die Richterin Claudia Bandion-Ortner.

"Immer auf der Hut"
Vor Nakowitz, der in ihrer Abteilung gearbeitet habe und bis 1997 auch ihr Stellvertreter gewesen sei, sei sie "immer auf der Hut" gewesen, meinte Winter-Reumann. Nakowitz habe von Anfang an klar gestellt, dass das gilt, was er sagt. Der frühere BAWAG-Chef Johann Zwettler habe über ihn gemeint, "Nakowitz ist viel zu schade, um sein Leben als Stellvertreter von mir zu fristen". Nakowitz habe von manchen Mitarbeitern nicht viel gehalten. Das Klima in der Abteilung sei spürbar besser gewesen, wenn er nicht da war. Auf die Frage einer Schöffin, ob sie Angst vor ihm gehabt habe, meinte Winter-Reumann nach längerem Zögern, das sei vielleicht ein bisschen übertrieben. Während ihrer Einvernahme waren die neun Angeklagten nicht anwesend.

Elsner ging zurn Omofuma-Demo
Per "Du" sei sie in der BAWAG nur mit Zwettler und dem ehemaligen BAWAG-Vorstand Josef Schwarzecker gewesen. Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner sei vom Naturell her anders gewesen als sein Vorgänger Walter Flöttl, der die kleine Bank groß gemacht habe. Elsner sei zwar sehr aufbrausend gewesen, habe aber auch seine guten Seiten gehabt. "Er ist mit mir zur Omofuma-Demo gegangen", erinnerte sich Winter-Reumann. Elsner habe zwar immer so getan, aber nicht wirklich Widerspruch zugelassen. Als Vertraute von Zwettler habe er sie aber halbwegs in Ruhe gelassen. Einmal, kurz nach seinem Amtsantritt habe sie sich einmal geweigert, eine "Latte von Forderungen" um einen Schilling zu verkaufen. Da sie dafür keine Genehmigung hatte, habe sie Elsner angerufen. Dieser habe sie dann "zur Schnecke" gemacht. "Das ist tief gesessen, ich hab' gedacht, jetzt haut er mich raus", so Winter-Reumann.




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