13. November 2007 09:42

Mangelwirtschaft 

Heimische Betriebe mussten in der DDR aushelfen

Eine deutsche Forscherin untersuchte Netzwerke und Subsysteme der einstigen Mangelwirtschaft und die Improvisation in der DDR-Wirtschaft.

Heimische Betriebe mussten in der DDR aushelfen
© AP Photo/Eckehard Schulz

Österreichische Firmen waren an sublegalen Netzwerken in der DDR beteiligt. Das ist eines der Ergebnisse einer Untersuchung der Historikerin Annette Schuhmann vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Dieses Zentrum hatte eine Deutschlandforschertagung mitorganisiert, die dieser Tage in Wittenberg stattfand. Dort stellte Schuhmann ihre Untersuchung vor. Politische und wirtschaftliche Defizite der DDR hätten durch Agieren in Grauzonen verschleiert werden können.

Improvisation ab den 70er-Jahren
"In den 70er und 80er Jahren zwang die hohe Verschleißquote der Maschinen zu immer stärkeren Improvisationen", sagte die Forscherin. Dabei sei es zu "außerplanmäßigem und spontanem Agieren" gekommen, "das wie in der Marktwirtschaft funktionierte". Die Historikerin nannte in ihrer Untersuchung das Beispiel der Schwerindustrie von Eisenhüttenstadt mit damals 16.000 Beschäftigten. In der desolaten Bauindustrie seien durchaus auch gefährliche Arbeiten wie das Entfernen giftiger Schlacke durch ausländische, vornehmlich polnische und jugoslawische Firmen vorgenommen worden. "Aber es ist nicht so, dass Ausländer nur schmutzige Arbeiten machten", sagte Schuhmann.

"Sublegales" Handeln mündlich ausgemacht
"Das waren durchaus qualitativ hochwertige Aufgaben. Gerade bei jugoslawischen und österreichischen Firmen waren das international agierende Betriebe." Namen von Unternehmen nannte die Forscherin nicht. Dieses "sublegale" Handeln sei immer mündlich und direkt ausgehandelt worden, bezahlt hätten die Betriebschefs in der DDR bar und sofort. "Die Frage ist, wieweit dieses Improvisieren das Überleben des Staates unterstützt hat", sagte Schuhmann. Prekär wäre die Situation dann geworden, wenn nach Unfällen aufgrund eklatanter Missachtung des Arbeitsschutzes die Staatsanwaltschaft habe eingeschaltet werden müssen.

Russische Soldaten als "Aushilfen"
Auch russische Soldaten seien mitunter um Unterstützung gebeten und mit Musikinstrumenten oder anderen Naturalien bezahlt worden. Ebenso sei es zu Kooperationen mit Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften gekommen: Im Sommer hätten die Stahlwerker auf dem Land ausgeholfen, im Winter hätten die Landwirte bei der Stahlverpackung mitgearbeitet. "Der hohe Stellenwert der Netzwerke ist unübersehbar", fasste die Historikerin zusammen. "Sie waren entscheidende Scharniere und schafften der Planwirtschaft die nötige Elastizität. Allerdings unterhöhlten sie die Ideologie."




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