22. Juli 2009 12:06

Lufthansa-Übernahme 

Heiße Phase für AUA-Deal

EU wartet weiter auf Klärung offener Fragen.

Heiße Phase für AUA-Deal
© AP

In dem Poker zur Übernahme der angeschlagenen Austrian Airlines (AUA) sind die von der EU-Kommission geforderten "Klarstellungen" durch die Deutsche Lufthansa weiter offen. Jonathan Todd, der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, sagte am Mittwoch, die EU-Kommission stehe in "engem Kontakt" mit Lufthansa. Seit dem Treffen zwischen EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes und Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber am Montagabend in Brüssel habe es aber keinen weiteren Kontakt auf Chefebene gegeben.

Das Treffen zwischen Kroes und Mayrhuber hatte am Montag nicht zu einem Durchbruch im Feilschen um die von der EU-Kommission geforderte Aufgabe von Start- und Landerechten (Slots) geführt. Die Lufthansa hatte hier zuletzt Zugeständnisse, darunter auch auf den Strecken Wien-Frakfurt und Wien-Genf angeboten. Die EU-Kommission will ein Monopol der Lufthansa auf bestimmten Routen verhindern und drängt auf ausreichend Wettbewerb.

Einer der strittigen Punkte der Diskussion am Montag war offenbar der Wunsch der deutschen Airline, auch Bahnstrecken als Wettbewerbsfaktor anzuerkennen, wie es in informierten Kreisen hieß.

Zeit drängt
Aus Sicht der AUA drängt die Zeit für eine Wettbewerbsentscheidung der EU-Kommission. Das Übernahmeangebot der deutschen Lufthansa endet nämlich am 31. Juli.

Die Lufthansa (LH) ist mit den jüngsten Zukäufen, und vor der geplanten Übernahme der AUA dabei, größte Airline Europas zu werden. In den vergangenen Wochen und Monaten bekam sie das Okay zur Übernahme der belgischen Airline Brussels (hervorgegangenen aus der Pleite gegangenen Sabena, zuletzt mehr als 5 Millionen Passagiere) und zur Aufstockung bei bmi (British Midland, mehr als 10 Millionen Passagiere), außerdem stieg sie bei der US-Billigairline Jet Blue ein.

Musterbeispiel Swiss
Vorausgesetzt, die AUA-Übernahme geht durch, halst sich die deutsche Fluggesellschaft zunächst einmal einen weiteren Verlustbringer auf, der umfangreich zu sanieren ist - als Musterbeispiel gilt die Schweizer Swiss.

Schon in einem ÖIAG-Bericht von Anfang des Jahres 2009 an den Rechnungshof-Unterausschuss war errechnet worden, dass die AUA-Sanierung die Deutschen mehr als 1 Mrd. Euro kosten würde - der 500-Millionen-Euro-Zuschuss der Republik Österreich zur Entlastung der AUA von Fremdkapital (Entschuldung) würde dabei nur den kleineren Teil ausmachen. Die verschärfte Airlinekrise hat die Sanierung nicht billiger gemacht, heißt es in informierten Kreisen zur APA.

In der Airlinebranche wird weiterhin über ein Engagement der Lufthansa auch bei der polnischen LOT und bei SAS spekuliert. Während einige Experten davon ausgehen, dass die Lufthansa sich mit Milliardenengagements mitten in der schwersten Luftfahrtkrise in der Geschichte nicht übernehmen wird wollen, gehen andere davon aus, dass die Deutschen die "Chance des Jahrzehnts" nutzen könnten, nach der großen Krise Angelpunkt der Konsolidierung der Branche geworden zu sein. "So eine Gelegenheit kommt nicht mehr", sagte ein Airline-Fachmann am Mittwoch. Unter den unmittelbaren Konkurrenten sind die Europäer British Airways und Air France derzeit geschwächt bzw. in ihrer früheren Aggressivität gebremst.

Gespannt blicken Branchenkreise deshalb auf die Nachrichtenlage am 30. Juli. Da wird der Lufthansa-Vorstand über das Halbjahresergebnis und das bevorstehende Milliarden-Sparprogramm informieren, und auch über den dann geltenden Stand der Dinge in Sachen AUA. Informationen werden aber auch über den weiteren Kurs in der Marktkonsolidierung erwartet.




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