30. Oktober 2008 15:26

Prognose 

Höchste Arbeitslosigkeit seit 50 Jahren droht

Das Wifo blickt pessimistisch in die Zukunft. Das Institut sieht 2009 eine schrumpfende Wirtschaft.

Höchste Arbeitslosigkeit seit 50 Jahren droht
© Reuters

"Wenn wir nichts unternehmen, droht eine Rekordarbeitslosigkeit wie sie Österreich in den letzten 50 Jahren nicht erlebt habt", teilte Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel mit. Würden keine Maßnahmen gesetzt, werde die Arbeitslosenrate (nationale Definition) von 5,8 Prozent im Jahr 2008 bis zum Jahr 2011 auf erschreckende 8,5 Prozent steigen. Das wäre nach 1953 das zweite Mal in der Geschichte der Zweiten Republik, dass die Arbeitslosenrate über 8 Prozent steigt.

Wifo sieht schwarz
Düstere Aussichten zeichnet jene Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), auf deren Basis das Finanzministerium seine nicht weniger düsteren aktualisierten Defizit-Berechnungen durchgeführt hat. Selbst die optimistischere Variante der Wifo-Kalkulationen geht von einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen bis maximal 267.000 (2011) und nur schwachem Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent im Jahr 2009 bis 2,7 Prozent im Jahr 2013 aus. Die pessimistische Variante spricht gar von einer schrumpfenden Wirtschaft im Jahr 2009 (minus 0,2 Prozent BIP), nur leichter Erholung in den Folgejahren und Arbeitslosenzahlen bis 316.000 (im Jahr 2012).

Zum Vergleich: Für heuer rechnet das Wifo mit zwei Prozent Wachstum und rund 208.000 Arbeitslosen.

Optimistische Vorhersage
Bei günstiger Entwicklung sagt das Wifo nach nur 0,9 Prozent BIP-Wachstum im kommenden Jahr 1,3 Prozent im Jahr 2010 voraus, 2,1 Prozent im Jahr 2011, 2,5 Prozent 2012 und schließlich 2,7 Prozent im Jahr 2013. Die Arbeitslosenzahlen würden sich entsprechend negativ entwickeln: Von rund 233.000 im Jahr 2009 über den Höchststand von 267.000 im Jahr 2011 immerhin noch 244.000 im Jahr 2013. Die Arbeitslosenrate (nach "alter", nationaler Berechnung) würde demnach bis auf 7,2 Prozent (2011) steigen.

Steigen würde gemäß Finanzministeriums-Projektionen auch das Defizit, nämlich von 1,5 Prozent im Jahr 2009 auf 2,4 Prozent in den Jahren 2011 und 2012, 2013 würde es 1,9 Prozent betragen. Trotz steigender Staatsschulden würde hier immerhin die Maastricht-Grenze von drei Prozent nicht überschritten.

Anders sieht das pessimistische Modell aus. Demnach würde das BIP im Jahr 2009 schrumpfen (minus 0,2 Prozent), sich 2010 nur leicht erholen (plus 0,5 Prozent), 2011 um 1,5 Prozent wachsen und erst 2012 wieder beim für heuer prognostizierten Wert von plus zwei Prozent ankommen, 2013 dann bei plus 2,3 Prozent.

Pessimistisches Modell
Entsprechend drastisch wäre auch die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen: Von 242.000 im Jahr 2009 sieht das Wifo einen Anstieg auf 286.000 im Jahr 2010, 312.000 im Jahr 2011 und - der Höchststand - 316.000 und damit 108.000 Arbeitslose mehr als für heuer erwartet im Jahr 2012. Mit 308.000 Arbeitslosen rechnen die Wirtschaftsforscher schließlich auch für 2013 noch nicht mit einer deutlichen Entspannung. Maximale Arbeitslosenrate nach nationaler Definition: 8,5 Prozent.

Die Defizit-Prognosen komplettieren das triste Bild: 1,2 Prozent des BIP Neuverschuldung heuer, 1,9 Prozent im kommenden Jahr und schon 3,3 Prozent im Jahr 2010, womit die Maastricht-Grenze geknackt wäre. 3,8 Prozent könnten das Defizit 2011 betragen, 2012 würde es dann gar 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen, 2013 3,9 Prozent.

Berücksichtigt sind in beiden Szenarien eine Steuerreform mit 2,7 Mrd. Euro Volumen, und zwar im Jahr 2010. Finanzminister Wilhelm Molterer (V) wurde zudem in den vergangenen Wochen nicht müde, auf die hohen Kosten der Parlaments-Beschlüsse kurz vor der Nationalratswahl hinzuweisen (Stichwort: "Wahlzuckerln", etwa Pensionen, Familienbeihilfe und Studiengebühren).

Deutlich abgeflacht ist indes in beiden Wifo-Szenarien die Inflationsentwicklung: Nach 3,4 Prozent heuer rechnen die Wirtschaftsforscher mit Inflationsraten von 1,6 Prozent (2010, pessimistisches Modell) bis maximal 2,2 Prozent (2009, optimistisches Modell).




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