29. Juni 2009 12:38
Bei drei Filialen des Lebensmitteldiskonters Hofer kann im Großraum von
Salzburg ab sofort nicht nur günstig eingekauft, sondern auch billig getankt
werden. Auf den Parkplätzen der Märkte in Wals-Siezenheim (Airportcenter),
Obertrum und im Salzburger Stadtteil Schallmoos sind seit Sonntag die
Zapfsäulen offen. Und sofort begann ein beinharter Preiskampf mit den
Konkurrenz-Tankstellen der großen Konzerne in unmittelbarer Nähe: Kostete
der Liter Diesel bei Beginn noch 0,865 Euro, lag er am Montag um 9.00 Uhr
schon bei 0,565 Euro.
So verkaufte die OMV in Obertrum den Liter Diesel am Sonntag zu Mittag noch
um 0,959 Euro, am Montagvormittag war er schon um 0,585 zu haben. "Innerhalb
von Minuten ist die OMV unter den Einkaufspreis gegangen. Die
Bundeswettbewerbsbehörde ist eingeschalten", ärgerte sich Markus
Friesacher, ehemaliger Formel-3000-Rennfahrer und Geschäftsführer des
Diskont-Tankstellenbetreibers Free Energy (FE) Trading GmbH. Die drei
Diskont-Tankstellen verkauften den Diesel um 0,565 Euro, Benzin 91 und Super
gab es um 0,632 Euro. Doch die Preise sanken vorerst noch weiter.
Die rund zwei Kilometer vom Hofer in Wals-Himmelreich entfernt gelegene
Shell-Tankstelle an der Innsbrucker Bundesstraße zog am Montag in der Früh
sofort nach und verkaufte Diesel und Benzin um denselben Preis wie die
FE-Trading. Dort herrschte noch mehr Andrang als beim Hofer, die Autos und
Lastwagen stauten sich bis auf die Straße hinaus - zur Freude des Pächters. "Die
Preise bestimmt aber Wien. Wir haben da keinen Einfluss", sagte die
Geschäftsführerin. Ins selbe Horn stieß der Tankwart der OMV. Dort wurden
200 Prozent mehr Kunden registriert. Den Diesel gab es um 0,605 Euro, Benzin
und Super um 0,672.
100 Diskonttankstellen österreichweit geplant
Mit "seiner"
Kundenfrequenz zeigte sich Friesacher jedoch vollends zufrieden: "Das
Projekt ist besser angelaufen als erwartet. In Obertrum war gestern schon
ein kompletter Stau. Es kommen junge und alte Leute, Frauen wie Männer. Sie
können zu Diskontpreisen einkaufen und um zwei Cent günstiger tanken als die
Konkurrenz. Wir sind zuversichtlich, dass es gut weiterläuft."
Rund 100 Diskonttankstellen sind österreichweit geplant, womöglich werden
noch heuer weitere eröffnet. Das Konzept und die Beschränkung auf das
Wesentliche - Nebenprodukte wie Motoröl gibt es nicht - helfe den
Österreicher sparen, denn gerade die Preise bei Lebensmitteln und Treibstoff
würden am meisten auf die Geldtaschen der Österreicher drücken, so
Friesacher.
Dass man an die vier Automaten pro Diskonttankstelle nur mit Bankomat- oder
Kreditkarte tanken kann, hat sich allerdings noch nicht bei allen
herumgesprochen. Die meisten Autofahrer fuhren nach dem Einkaufen zur
Tankstelle. "Hier kann man günstig einkaufen und tanken. Ich komme
sicher wieder", erklärten eine Flachgauerin und ein Pensionist aus der
Stadt Salzburg unisono. Wem das Zahlen mit der Karte noch Probleme
bereitete, dem half eine Studentin. Insgesamt zehn Hostessen hat Friesacher
für die kommenden zwei Wochen engagiert.
Partner des Lebensmitteldiskonters Hofer ist neben der FE-Trading GmbH, die
Friesacher zu 80 Prozent gehört, auch Stephan Pröll, Sohn des
NÖ-Landeshauptmanns (zehn Prozent), und Elisabeth Keusch-Eder, Tochter des
Salzburger Schotter- und Immo-Unternehmers Josef Eder (zehn Prozent). Die
Tankstellen sind videoüberwacht. Da es nach der dreiwöchigen Anlaufphase
regulär kein Personal gibt, kann der hilfesuchende Kunde per Knopfdruck rund
um die Uhr die Serviceline kontaktieren, die sich an den Säulen befindet.
Friesacher verfügt seit Jahren über ein bundesweites Lkw-Tankstellennetz. Im
Jahr 2000 gründete er die Austria Petrol (AP) Trading GmbH. (Anif bei
Salzburg), Mitte 2007 startete er den Betrieb einer Biodiesel-Anlage in
Krems (NÖ).