16. Oktober 2009 16:19

Wirtschaftskrimi 

400 Mio. zuviel für Hypo bezahlt

Die BayernLB soll die Kärntner Bank stark überzahlt haben. Der tatsächliche Wert der HGAA ist aber umstritten.

400 Mio. zuviel für Hypo bezahlt
© AP

Die Bayerische Landesbank soll für den Kauf der Kärntner Tochter Hypo Group Alpe Adria vor zwei Jahren rund 400 Mio. Euro zuviel gezahlt haben. Davon geht die Münchner Staatsanwaltschaft laut der "Süddeutschen Zeitung" aus. Von Seiten der Bank wollte man die Zahl nicht kommentieren. Die Berechnung des damaligen Wertes der HGAA ist aber umstritten.

Summe aus Durchsuchungsbeschluss
Die Zahl gehe aus dem Durchsuchungsbeschluss für die Razzia am Mittwoch bei der BayernLB hervor. Dort wird der Wert der HGAA auf rund 2,5 Mrd. Euro taxiert. Die Hälfte der Anteile entsprächen demnach 1,25 Mrd. Euro. Die BayernLB hatte aber für 50 Prozent und eine Aktie der Bank insgesamt gut 1,6 Mrd. Euro gezahlt.

Verdacht der Untreue gegen Schmidt
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der damalige Vorstandschef der BayernLB, Werner Schmidt. Sollte unter seiner Führung wissentlich ein überhöhter Preis für die österreichische Finanzgruppe gezahlt worden sein, hätte er die BayernLB schwer geschädigt, argumentieren die Ermittler. Schmidt weist den Vorwurf zurück, er habe durch eine zu teure Übernahme der österreichischen Finanzgruppe Vermögen der BayernLB veruntreut.

Tatsächlicher Wert der HGAA unklar
Über den Schätzwert der HGAA zum damaligen Zeitpunkt kursierten unterschiedliche Zahlen in München. So soll der Verwaltungsrat, besetzt mit Sparkassenfunktionären und CSU-Politikern, Schmidt ermächtigt haben, in einer Wertbandbreite von 3,4 Mrd. Euro für die gesamte HGAA zu verhandeln, berichtet der "Münchner Merkur".

Das entspräche dann einem maximalen Preis von etwa 1,7 Mrd. Euro für die Anteile. Schmidt wäre damit also noch unter den Vorgaben des Verwaltungsrates geblieben. Der Kaufpreis sei zwar über den Berechnungen externer Wertgutachten gelegen, sei wegen der strategischen Bedeutung des Kaufs aber akzeptiert worden.

Razzien mit 28 Staatsanwälten
Die Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch unter anderem die Zentralen der BayernLB in München und der Hypo Alpe Adria in Klagenfurt durchsucht, außerdem weitere Büros in München sowie Luxemburg sowie Privatanwesen Schmidts. Am Donnerstag hat sich die parlamentarische Kontrollkommission im Landtag mit den Ermittlungen beschäftigt. Aus dem Bericht der Ermittler ergaben sich bis dato keine Hinweise, dass Schmidt in die eigene Tasche gewirtschaftet haben könnte.

Die BayernLB ist 2007 für 1,6 Mrd. Euro mit 50 Prozent der Anteile plus einer Aktie bei der früheren Kärntner Landesbank eingestiegen, um einen Zugang zum Markt im ehemaligen Jugoslawien und in Osteuropa zu bekommen. Inzwischen ist die Hypo Alpe Adria durch die Finanzkrise schwer in Mitleidenschaft gezogen und damit einer der Gründe für die Verluste der BayernLB. Mittlerweile hält die BayernLB knapp 67,1 Prozent an der HGAA.




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