28. September 2008 21:40

Rettungspaket 

Hypo Real Estate bekommt notfalls 35 Mrd. Euro

Der deutsche Finanzriese wankt - Jetzt springen der Staat und private Banken mit gewaltigen Summen in die Bresche.

Hypo Real Estate bekommt notfalls 35 Mrd. Euro

Die Rettung des angeschlagenen deutschen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) könnte für die Steuerzahler teuer werden. Die Bundesregierung und private Banken stützen den Münchner DAX-Konzern mit einer milliardenschweren Bürgschaft. Das Gesamtvolumen betrage 35 Mrd. Euro, davon entfielen maximal 26,6 Mrd. auf den Bund. Die Regierung stütze damit eine Liquiditätsaktion der Privatbanken.

Ziel sei es, die Großbank "geordnet" abzuwickeln. Bisher ist noch kein Geld geflossen. Im Fall der Inanspruchnahme der Bürgschaft aber würden der Haushalt des Bunds und die Banken belastet. Die Bürgschaft ist den Angaben zufolge in zwei Tranchen aufgeteilt. Von der ersten in Höhe von 14 Mrd. Euro übernehme der Bund 40 Prozent, die Privatbanken 60 Prozent. Die zweite Tranche von 21 Mrd. Euro würde der Bund ganz allein übernehmen. Möglicherweise werden die Steuerzahler belastet. Ohne Bürgschaft wäre die Rettungsaktion nicht möglich gewesen. Ein anderer Weg hätte Risiken und noch größere Schäden für das Finanzsystem heraufbeschworen.

Beratungen über Staatsgarantie
Wegen der erneut zugespitzten Finanzmarktkrise treffen sich am Dienstag alle fünf Fraktionen im Deutschen Bundestag zu Sondersitzungen, um über die Staatsgarantie für Hypo Real Estate zu beraten. Zudem wird der Haushaltsausschuss über die Rettungsaktion informiert.

Die HRE ist im Zuge der internationalen Finanzmarktkrise durch massive Probleme bei der Tochter DEPFA ins Trudeln geraten. Auf die DEPFA seien Abschreibungen in Milliardenhöhe fällig, teilte die HRE mit. Das erst vor einem Jahr für fünf Mrd. Euro erworbene Tochterunternehmen mit Sitz in Dublin ist auf Staatsfinanzierungen spezialisiert, etwa die Finanzierung der Haushalte oder Infrastrukturprojekte.

Probleme nach US-Finanzkrise
Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman bekam die Bank Probleme, sich kurzfristig am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Ende vergangener Woche habe sich die Lage zugespitzt, sagte HRE-Sprecher Hans Obermeier. Auch langfristige Refinanzierungsmöglichkeiten hätten sich für die DEPFA verteuert.

Mit der neuen Kreditlinie werde man die internationalen Geldmärkte "auf absehbare Zeit nicht mehr in Anspruch nehmen müssen", teilte die HRE mit. Das Management des DAX-Konzerns unter Vorstandschef Georg Funk steht seit Anfang des Jahres unter Druck, weil nach monatelangen Beschwichtigungen schließlich doch 390 Mio. Euro aufgrund der Finanzmarktkrise abgeschrieben werden mussten.

Keine Dividende in diesem Jahr
Mit einer Dividende sei in diesem Jahr nicht zu rechnen, erklärte der Konzern am Montag. Die Börse strafte HRE ab: Die Aktie brach bis zum frühen Nachmittag um 70 Prozent ein.

Die Bundesbank und die BaFin erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, sie gingen davon aus, dass die Marktfähigkeit der Hypo Real Estate Group nunmehr gesichert sei.

Prüfung durch EU-Kommission folgt
Die EU-Kommission behielt sich eine Prüfung der Rettungsaktion vor. Der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes zeigte sich verärgert, dass Brüssel über die zu großen Teilen von der Bundesregierung finanzierte Risikoabschirmung für Hypo Real Estate nicht im Voraus informiert wurde.




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