30. Jänner 2009 10:19

Eine Nation in Not 

In Japan grassiert die Rezessionsangst

Japan ist die zweitgrößte Wirtschaftsnation weltweit. Jetzt grassiert die Angst im Land der aufgehenden Sonne vor einer gewaltigen Rezession.

In Japan grassiert die Rezessionsangst
© Reuters

In Japan bricht die Angst aus. Nach jahrelangem Aufschwung stürzt die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt in die schwerste Rezession der Nachkriegszeit. "Japans Wirtschaft fällt über die Klippe", meinte ein Analyst in Tokio. In Folge der wegbrechenden Auslandsnachfrage drosselten die Industriekonzerne im Dezember nicht nur die Produktion im Vergleich zum Vormonat um 9,6 Prozent - gar um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - und damit so heftig wie noch nie. Was verheerend hinzukommt, ist, dass die Unternehmen des Landes in noch nie dagewesenem Maße Stellen streichen. Volkswirte in Tokio sprechen von einer völlig "neuen Dimension" der Krise.

Japans Aufschwung der vergangenen Jahre war fast ausschließlich vom Export und Investitionen im Ausland getragen. Doch jetzt bricht die Nachfrage weg, zuerst aus den USA, dann aus China und dem übrigen Asien, für Japan inzwischen der größte Markt. Als Folge sank der Export im Dezember um 35 Prozent - und es dürfte noch schlimmer kommen. Selbst Unternehmen wie Toyota und Sony müssen ihre Ertragsprognosen zusammenstreichen und die Produktion drastisch drosseln. Und nun die Massenentlassungen. Die Arbeitslosenquote schoss innerhalb eines Monats von 3,9 Prozent auf 4,4 Prozent hoch und damit so schnell wie seit 42 Jahren nicht mehr.

Japanische Haushalte waren es bisher gewöhnt, dass ihre Löhne in Krisen sanken oder nicht wuchsen. Man reduzierte in solchen Zeiten die Ersparnisse, konsumierte aber weiterhin und sorgte dafür, dass die Binnennachfrage relativ stabil blieb. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Arbeitsmarkt ist in den 1990er Jahren flexibilisiert und jede dritte Stelle in eine zeitlich befristete umgewandelt worden. Firmen können daher heute viel schneller und viel stärker Leute entlassen. Bis zu 400.000 irregulär Beschäftigte verlieren nach neuesten Schätzung zwischen Oktober und März den Job.




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