06. März 2009 13:52

Abschwung 

Industrie fordert Maßnahmen gegen Krise

Die Auftragseingänge sind eingebrochen. Man hofft auf die Kurzarbeit.

Industrie fordert Maßnahmen gegen Krise

Der Abschwung in der heimischen Industrie hat sich gegen Jahresende 2008 deutlich beschleunigt. Österreichs Industriekonjunktur befindet sich offensichtlich im freien Fall. Die Wirtschaftskammer fordert die Regierung auf, "rasch" Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise in Angriff zu nehmen.

Konjunkturprogramm gefordert
Die Industrie fordert ein mehrere Punkte umfassendes Konjunkturprogramm. Dazu zählt die praktikable Umsetzung von Kurzarbeitsmöglichkeiten, staatliche Garantien für Unternehmensfinanzierungen, das Einhalten von Zusagen zur Forschungs-und Entwicklungs-Finanzierung, die Schaffung von Investitionsanreizen und verstärkte Infrastruktur-Investitionen.

Verhandlungen über Kurzarbeit
Die derzeitigen Gespräche, hinsichtlich der Kurzarbeit eine neue Sozialpartner-Vereinbarung abzuschließen verlaufen sehr schleppend. Die Unternehmen warten aber schon ungeduldig darauf. In der Metall-Industrie ist hinsichtlich flexibler Arbeitszeitmodelle noch keine einzige zur Umsetzung notwendige Vereinbarung auf Betriebsebene zustande gekommen.

Angst vor Einbruch
Im November ist die Zahl der Industriearbeiter um 4.200 oder 1,7 Prozent zurückgegangen. Bei den Angestellten gab es noch ein Plus von 2,6 Prozent, in Summe ein leichtes Plus von 0,2 Prozent. Fremdpersonal wurde mit 4.200 bereits um kräftige 19,6 Prozent abgebaut. Im vierten Quartal dürfte sich in Summe gerade noch ein knappes Halten der Beschäftigten ausgehen.

Rahmen-Kollektiv für Kurzarbeit gefordert
Die Kurzarbeitsanträge werden weiter steigen, erwartet Manfred Engelmann von der Wirtschaftskammer. Bis Ende März könnten zu den bisher 146 Betrieben weitere 60 mit über 15.000 Beschäftigten dazukommen. Damit wären in Summe rund 45.000 Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen. Viele Betriebe würden sich jetzt überlegen, ob sie von Kurzarbeit Gebrauch machen oder gleich Mitarbeiter abbauen. Für viele Unternehmen seien die Kurzarbeitsregelungen nicht attraktiv genug. Wünschenswert wäre - ähnlich wie in Schweden - ein Rahmen-Kollektivvertrag, der Arbeitszeit- und Gehaltskürzungen erlaubt, dessen konkrete Umsetzung aber erst auf Betriebs- oder Branchenebene erfolgt.

Sollte es zu keiner schnellen Verbesserung der Unternehmensfinanzierung kommen, sei es nicht ausgeschlossen, dass es zu einer Verlagerung von Tochterbetrieben ausländischer Unternehmen ins Ausland kommt, warnte Engelmann.

Kein Anstieg der Insolvenzen erwartet
Einen signifikanten Anstieg von Insolvenzen rechnet Engelmann nicht. Pleite gehen könnten am ehesten Unternehmen, die bereits in guten Zeiten Probleme gehabt hätten.

Einbruch bei Aufträgen
Die Auftragseingänge sind laut Wirtschaftskammer im November 2008 - den letzten zur Verfügung stehenden Daten - im Jahresvergleich bereits um 21,9 Prozent eingebrochen. Im Oktober waren es 9,9 Prozent, im September 6,1 Prozent. Im gesamten vierten Quartal müsse mit einem Rückgang von 18 Prozent gerechnet werden, so Engelmann. Die Dezember-Daten werden erst Ende März erscheinen.




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