20. September 2007 15:45

BAWAG-Prozess 

Innenrevision fand Karibik-Geschäfte "Wahnsinn"

Risiko konnte nicht geschätzt werden: Die Unterlagen waren mangelhaft, die Unterschriften unleserlich.

Innenrevision fand Karibik-Geschäfte "Wahnsinn"
© APA

Zum Abschluss des heutigen 30. Verhandlungstags im BAWAG-Prozess stand der vom Gericht bereits am 9. August als Sachverständige bestellte ehemalige Vorstand der Wiener Börse, Christian Imo, am Prüfstand. Imo soll ein Gutachten über das Handelsverhalten des angeklagten Investmentbankers Wolfgang Flöttl abgeben. Die Verteidiger von Flöttl erläuterten heute ihren gestrigen Antrag, Imo wegen Befangenheit als Sachverständigen abzulehnen. Das Gericht wird seine Entscheidung darüber erst am nächsten Verhandlungstag, dem 1. Oktober, verkünden, erklärte Richterin Claudia Bandion-Ortner. Sollte Imo als Sachverständiger abgelehnt werden, müsste das Gericht einen neuen Sachverständigen bestellen. Dies würde vermutlich den Prozess verzögern. Das Urteil würde dann wohl erst im Jänner und nicht - wie derzeit angepeilt - Anfang Dezember fallen.

Am Donnerstag trat nach der Ehefrau des angeklagten Investmentbankers Wolfgang Flöttl, Anne Eisenhower, eine ehemalige BAWAG-Mitarbeiterin in den Zeugenstand. Eva Albrecht, damals in der Internen Revisionsabteilung, erklärte das Befinden des Teams so: "Wahnsinn!" habe man sich gedacht, als man 1996 erstmals die 1995 wieder aufgenommenen Karibik-Geschäfte der BAWAG mit Flöttl zu prüfen hatte.

Unterlagen fehlten
Eine Bewertung des Risikopotenzials sei nicht möglich gewesen, da keine ausreichenden Unterlagen vorgelegen seien. "Von den anderen Banken bekommen wir einen Depotauszug, den können wir bewerten", meinte Albrecht, "Wir wussten nicht einmal, um welche Art von Werten es sich handelt."

Unterschriften unleserlich
In ihrem Prüfbericht 1996 hielt sie zusammenfassend sinngemäß fest, dass die Abwicklung der Finanzierungen grundsätzlich ordnungsgemäß erfolgte, teilweise aber Unterschriften nicht verifizierbar waren oder bestimmte Unterlagen nicht vorlagen. Sie hielt gemeinsam mit ihren Kollegen einen Notfallplan und die Beiziehung von externen Juristen für notwendig.

Nakowitz verzweifelt
Über die nicht mögliche Risikoeinschätzung habe sie mit niemandem im Vorstand gesprochen, der Kontakt sei über Generalsekretär Peter Nakowitz gelaufen. Sie habe eine Liste mit "Knackpunkten" erstellt und den Eindruck gehabt, dass Nakowitz das inhaltlich auch so sieht und verzweifelt war. Er habe aus seiner Schublade eine idente Liste gezogen.

Nakowitz widerspricht
Für ihn seien die Karibik-Geschäfte "kein Wahnsinn" gewesen, meinte dagegen Nakowitz, sondern eine Entscheidung des Vorstandes. Der Risikopolster sei für ihn ausreichend gewesen, seine Risikoeinschätzung sei eine rein statistische. Er wisse nicht, auf welche Liste Albrecht Bezug nehme.

Eigene Meinung nicht gefragt
Warum diese Meinung der Innenrevision über das Risiko nicht im endgültigen Prüfbericht aufschien, begründete Albrecht damit, dass es Hauptaufgabe der Revision war, zu prüfen, ob genehmigte Entscheidungen umgesetzt wurden. "Man prüft keine Urteile oder Entscheidungen", so Albrecht, sondern deren Umsetzung. Außerdem sei die Abteilung einem Druck ausgesetzt gewesen. Immerhin hatte der damalige Banken-Chef Walter Flöttl die Abberufung des Abteilungsleiters gefordert.

Der Notfallplan sei in der Folge auch teilweise umgesetzt worden. Danach habe man der Innenrevision mitgeteilt, dass die Sondergeschäfte geschlossen wurden. Auf Nachfrage habe es geheißen: "Es gibt keine mehr".

Nächste Seite: Keine Dokumente über Flöttl-Bilder

Beim Aufarbeiten des Refco-Skandals hätten ab Dezember 2005 die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei um Unterlagen gebeten, etwa im Zusammenhang mit der Verwertung der Flöttl-Bilder. Die Unterlagen dazu seien sehr unstrukturiert gewesen, teilweise in Ordnern oder in kartonartigem Papier eingewickelt gekommen. Und es habe keine Unterlagen gegeben, die diese Werte der Gemälde belegt hätten.

Sonderberichte versteckt
Die Prüfberichte über die Sondergeschäfte seien in einem Stahlschrank des Leiters der Internen Revision aufbewahrt worden, getrennt von anderen Prüfberichten und speziell gekennzeichnet. Das deshalb, weil der Vorstand große Sorge hatte, dass Informationen nach außen dringen. Es sei im Raum gestanden, dass die ersten Karibik-Geschäfte von innen heraus bekannt geworden sind. Die große Sorge sei gewesen, dass wieder "so ein Wirbel kommt".




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |