20. November 2008 16:33

2 Mio. Kunden 

Islamic Banking als neuer Markt in Österreich

In Zeiten der Finanzkrise sind Banken besonders auf Kundenfang. Eine neue Zielgruppe sind gläubige Moslime.

Islamic Banking als neuer Markt in Österreich
© sxc

Sie dürfen ihre Geldgeschäfte nur nach den Regeln des islamischen Rechts, der Scharia, durchführen. Durch das im Islam geltende Zins- und Spekulationsverbot können sie nicht in alle herkömmlichen Finanzprodukte investieren. Die Sparquote bei Moslimen sei aber höher als bei der Gesamtbevölkerung, so Günther Ahmed Rusznak, Generalsekretär des Islamischen Informations- und Dokumentationszentrums Österreich (IIDZ).

ON-Regel
Der globale Islamic Finance Sektor ist bereits 1.000 Mrd. Euro schwer, seine Wachstumsraten liegen bei zehn bis 15 Prozent im Jahr. In Österreich wird nun eine ON-Regel (Richtlinie des Österreichischen Normungsinstituts) für Islamic Banking entwickelt. Diese soll Banken die Entwicklung islamischer Finanzprodukte erleichtern.

Nur "reine" Waren
Das Österreichische Normungsinstitut entwickelt auf Antrag des IIDZ normative Dokumente zu sogenannten "Halal"-Produkten und -Dienstleistungen, das sind Produkte, die nach islamischen Recht erlaubt sind. Die Richtlinie für Halal-Lebensmittel soll im März 2009 fertig sein. Im Jänner wird dann mit der Entwicklung der Regeln für Islamic Banking begonnen, so Karl Grün, Director Development im Normungsinstitut. Darin werden die speziellen Anforderungen an die Finanzprodukte festgelegt. Banken müssten sich dann überwachen lassen, damit sie die Einlagen der moslemischen Sparer in nicht etwa in "unreine" Waren investieren.

Islamkonforme Einlagenkonten
Zum Einstieg ins Bankgeschäft mit Moslimen empfiehlt Rusznak den Banken islamkonforme Einlagenkonten. Statt mit Zinsen könnten die Institute mit Fixgebühren Geschäfte machen. Bei der Einführung islamischer Produkte könnte außerdem Cross-Selling eine wichtige Rolle spielen. Es gebe schließlich viele Moslime, die mangels Alternativen ein normales Konto besitzen. Schätzungen zufolge würden etwa 50 Prozent der österreichischen Moslime mit Bankkonto zu islamischen Produkten wechseln.

Viel Kundschaft
Derzeit leben rund 600.000 Moslime in Österreich, im Jahr 2050 sollen es zwischen ein und zwei Millionen sein. Schon jetzt drängen ausländische Firmen auf den Markt, die islamische Finanzprodukte anbieten wollen, so Rusznak.

Noch keine einheitliche Linie
Weltweit gibt es rund 400 islamische Finanzinstitutionen, aber noch keine einheitlichen Richtlinie für die angebotenen Produkte. Die ON-Regel richtet sich hauptsächlich an die österreichischen Banken, die dann eine mit einem "Islamic Window", also einer Schiene für Moslime, auf den Markt gehen könnten, so Rusznak.

Großes Interesse
Das Interesse der heimischen Institute dürfte "sehr groß" sein, auch wenn sie sich laut einer Umfrage erst ein Drittel mit Migration beschäftigt, sagte Bettina Lorentschitsch vom Fachverband Unternehmensberatung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |