24. April 2008 11:33

Bündnis zur Rettung 

Italienische Unternehmen mit Interesse an Alitalia

Der Mailänder Finanzmann Ligresti will ein Bündnis zur Rettung der maroden Fluggesellschaft Alitalia ins Leben rufen.

Italienische Unternehmen mit Interesse an Alitalia
© APA

Nachdem sich Air France-KLM definitiv von den Verhandlungen um die Übernahme der Alitalia zurückgezogen hat, signalisieren italienische Unternehmen jetzt ihr Interesse für die marode italienische Fluggesellschaft. Der Mailänder Finanzier, Salvatore Ligresti, Ehrenpräsident der Finanz-Holding Premafin, erklärte sich bereit, sich einem Bündnis italienischer Unternehmer anzuschließen, das die Alitalia retten könnte.

Berlusconi vs. Gewerkschaften
Auch Marco Tronchetti Provera, Chef des Reifenproduzenten Pirelli, zeigte Interesse, sich an einem Konsortium zur Alitalia-Rettung zu beteiligen, sollte es zu einem konkreten Projekt kommen.

Inzwischen tobt in Italien eine scharfe Polemik zwischen Wahlsieger Silvio Berlusconi und den Gewerkschaften. Der Medienzar machte die Arbeitnehmerverbände für das Scheitern der Gespräche mit Air France-KLM verantwortlich, da die Gewerkschaften Veto gegen den von den Franzosen geplanten Stellenabbau eingereicht hätten. Der Chef des Gewerkschaftsverbands CISL, Raffaele Bonanni, wies die Anschuldigungen zurück. "Jeder weiß, dass sich auch Berlusconi gegen den Alitalia-Verkauf an Air France-KLM gewehrt hat", sagte der Gewerkschaftschef.

Probleme aus Brüssel
Nachdem die italienische Regierung Alitalia einen Überbrückungskredit im Wert von 300 Mio. Euro gewährt hat, um den Bankrott der Airline abzuwenden, drohen Rom Schwierigkeiten mit der EU, die Staatshilfen für die Fluggesellschaft wittert. Rom erwiderte, der Kredit könne keineswegs als notifizierungspflichtige staatliche Beihilfe betrachtet werden, da es sich um zu Marktbedingungen gewährtes Geld handle.

EU-Transport-Kommissar Jacques Barrot sprach sich gegen neue staatliche Hilfen für Alitalia aus. Die Airline habe in den vergangenen Jahren bereits von Staatshilfen profitiert. Bis 2011 dürfe Alitalia daher keine staatlichen Gelder mehr erhalten. Die EU-Kommission will sich nun Zeit nehmen, um die Details des Überbrückungskredits zu prüfen und dabei mit Umsicht vorgehen. Die EU will Klagen von ausländischen Bietern wegen Verletzung der Wettbewerbsregeln vermeiden.

"Reihe von Zweifeln"
Während staatliche Beihilfen von der EU-Kommission genehmigt werden müssen, wäre ein rein kommerzieller Kredit nicht von der EU-Behörde zu prüfen. Die EU-Kommission werde demnächst einen Brief an die italienische Regierung senden, in dem sie diese "über eine Reihe von Zweifel" informiere und weitere detaillierte Informationen des geplanten Überbrückungskredits verlangen wolle, sagte der Kommissionssprecher. Zur Frage, ob Geld an die Fluglinie bereits ausbezahlt werden darf, betonte er: "Das hängt von der Art der Maßnahme ab", nämlich ob es sich um eine staatliche Beihilfe oder nicht handle.




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