22. September 2009 18:19

Wut auf EU 

Milch-Kampf in Berlin weitet sich aus

Proteste auch am Brenner - Richtungswechsel in EU-Milchpolitik gefordert.

Milch-Kampf in Berlin weitet sich aus
© EPA

Hunderte Milchviehhalter haben in ganz Deutschland mit "Milchseen" gegen die Talfahrt der Preise protestiert und mehr staatliche Hilfe gefordert. Wenige Tage vor der deutschen Bundestagswahl kippten die Bauern vor den Landwirtschaftsministerien in mehreren Bundesländern Milch in Becken und Wannen und weiteten ihre Aktionen damit aus. Auf Plakaten stand: "Wer Bauern quält wird nicht gewählt".

Italiens Bauern
Der Protest ging nicht nur in Deutschland weiter: Wütende Milchbauern machten auf der italienischen Seite des Brenners ihrem Ärger über die Milchpolitik der EU-Kommission Luft. Bayern verlangte einen Richtungswechsel und forderte eine Senkung der Milchmenge.

Ein Schwimmbad voller Milch
In Stuttgart füllten Hunderte Landwirte vor dem baden-württembergischen Agrarministerium ein "Schwimmbad" mit rund 25.000 Litern Milch. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter machten 500 Bauern mit, die Polizei sprach von 250 Teilnehmern. Auch vor den Landwirtschaftsministerien in Hannover, Kiel, Magdeburg, Mainz, Saarbrücken und Schwerin kippten Hunderte Viehhalter Milch in Becken. In Rosenheim in Bayern sammelten sich mehr als 50 Schlepper. Bauern gossen rund 500.000 Liter Milch auf die Felder. Im Münsterland protestierten bis zu 100 Bauern vor dem Molkerei-Riesen Humana Milchunion in Everswinkel.

Milchpreis
Deutsche Milchbauern bekommen für einen Liter Milch derzeit zwischen 20 und 27 Cent, in Österreich sind es etwa 25 Cent. Die Milchbauern fordern einen Preis von rund 40 Cent, um kostendeckend zu arbeiten. Der deutsche Milchviehhalterverband fordert, dass die Milchmenge mit staatlichen Eingriffen gesenkt wird. Dies ist umstritten. Außerdem verlangen sie, dass die Milchquote - die EU-weite Obergrenze der Produktion - nicht steigt.

Kritik
Der Deutsche Bauernverband kritisierte die Aktionen der Milchviehhalter. Die Proteste würden zunehmend radikal, wenn von "Bauernmördern" oder "Strohmännern der Milchmafia" gesprochen werde. Er wandte sich auch gegen die Vernichtung von Milch. In Sachsen-Anhalt hatte der Protest am Rande der Agrarministerkonferenz in der vergangenen Woche vermutlich ein Fischsterben ausgelöst.

EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel hatte ein Hilfspaket vorgelegt, das den EU-Staaten mehr Aufkauf von Milchmenge ermöglichen und die Marktmacht der Erzeuger stärken soll. Die Erhöhung der Milchquote wird nicht gestoppt. Die Bundesregierung hält die Hilfen nicht für ausreichend. Mit Polen verlangen inzwischen 19 von 27 EU-Ländern mehr Unterstützung von Brüssel.




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