19. Dezember 2007 20:01

Gehaltscheck 2008 

Kaum mehr Geld trotz Rekord-Lohnabschlüssen

Die Herbstlohnrunden brachten für die meisten Branchen überdurchschnittlich hohe Einkommenszuwächse. Die Inflation frisst den Löwenanteil allerdings wieder weg.

Kaum mehr Geld trotz Rekord-Lohnabschlüssen
© photos.com

Die Lohnverhandlungen für das kommende Jahr sind geschafft. In der Nacht auf Mittwoch erkämpfte die Postgewerkschaft als letzte eine Erhöhung von drei Prozent (siehe Wirtschaftsteil). Im Vergleich zu den anderen Abschlüssen ist das Ergebnis weniger gut, als es zunächst wirkt.

Gewinner
Denn bei der diesjährigen Herbstlohnrunde haben fast alle Branchen rekordverdächtig hohe Ergebnisse erzielt (die gesamte Gehalts-Tabelle sehen Sie links). „Großer Gewinner sind die Metaller“, sagt Alois Guger, Arbeitsmarkt-Experte des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO). Die Gewerkschaft hatte eine Anhebung der Löhne um 3,6 Prozent plus einer Einmalzahlung herausgeschlagen. „Der Abschluss entspricht der derzeitigen Situation: In der Exportwirtschaft werden derzeit sehr hohe Gewinne gemacht“, analysiert Guger.

Ein noch höheres Ergebnis haben die ÖBB-Mitarbeiter erzielt. Die Eisenbahner bekommen 4,5 Prozent mehr Lohn – allerdings für die nächsten eineinhalb Jahre. Real liege die Erhöhung damit nur bei drei Prozent, so ÖBB-Chef Martin Huber.

Zufriedenheit
Auch die anderen Branchen dürfen mit den Verhandlungsergebnissen zufrieden sein: Die Beamten verdienen inklusive einer Einmalzahlung plus 3,3 Prozent, die Handelsangestellten plus 3,1 Prozent. Die Gehälter in Sozial- und Gesundheitsberufen werden um drei Prozent angehoben. Die Mindestpensionen stiegen um 2,9 Prozent auf 747 Euro.

Die Verlierer
Verlierer der Verhandlungen sind Bezieher von höheren Pensionen und die Angestellten einzelner speziell geregelter Betriebe. So bekommen ORF-Mitarbeiter lediglich 1,7 bis 1,9 Prozent mehr Gehalt. Da die Geschäftsführung zunächst eine Nulllohnrunde angekündigt hatte, sind die meisten Mitarbeiter noch glücklich, zumindest dieses Ergebnis herausgeschlagen zu haben.

Falsche Optik
„Die Lohnabschlüsse entsprechen in etwa der Wirtschaftslage“, analysiert Guger die Ergebnisse. „Wir haben heuer eine sehr gute Gewinnlage.“ Allerdings ist Euphorie über die zumeist schönen Zahlen nicht angebracht. Die Verhandlungsergebnisse sehen auf den ersten Blick wesentlich besser aus, als sie sind. Denn die ebenfalls sehr hohe Inflationsrate frisst einen Großteil der Gehaltserhöhungen wieder weg.

Vor allem Güter des täglichen Bedarfs werden immer teurer, was gerade die Wenigverdiener und Pensionisten zu spüren bekommen. Immer tiefer in die Tasche greifen müssen aufgrund der steigenden Benzinpreise auch die Autofahrer.

Weitere Teuerung
„Wir müssen damit rechnen, dass wir Anfang des nächsten Jahres weiterhin eine Teuerungsrate von über drei Prozent haben“, warnt Guger. Zudem wirkt die Steuerprogression. Damit bleibt bei den Vertretern der meisten Branchen also trotz der guten Abschlüsse kaum mehr Geld im Börsel. Das WIFO rechnet mit einer Reallohn-Erhöhung von nur 0,5 Prozent – nur etwas mehr als heuer.

Angst vor Wirtschaftskrise
Wirtschaftsexperten warnen davor, dass sich die hohe Inflation und die hohen Löhne gegenseitig anheizen und so eine Lohn-Preis-Spirale entsteht. Entscheidend für Österreich werde vor allen, wie die Lohnpolitik auf europäischer Ebene gehandhabt werde, so Guger.

loehne
(c) ÖSTERREICH-Grafik




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