10. Oktober 2008 19:03

Finanzkrise 

Keiner will mehr Aktien, nur Sicherheit zählt

Was früher als sicher galt, ist plötzlich wenig wert. Kunden stürmen derzeit absolut sichere Anlagen mit garantiert fixen Wertzuwächsen.

Keiner will mehr Aktien, nur Sicherheit zählt

Die Österreicher sind massiv verunsichert, die Finanzkrise hat uns alle endgültig erwischt. Auch jene mit kleinsten Ersparnissen machen sich Sorgen um die Wertminderung des eigenen Vermögens. Derzeit laufen hektische Geld-Rettungsversuche: Aktien und Fonds werden eilig verkauft, bevor sie ganz wertlos werden. Stattdessen wird hauptsächlich in fix verzinste Anlagen investiert – oder aber auch in Gold.

Edelmetall als Retter
Gold bewahrheitet sich erneut als sichere Investition in Krisenzeiten. In einer Umfrage des Humaninstituts sagen 62 Prozent, sie wollen in das Edelmetall investieren.

Im Vergleich zum Vorjahr werden derzeit um 250 Prozent mehr Goldmünzen verkauft. Der Verkaufsschlager ist der Philharmoniker mit einer Unze Gold, der gestern für 712 Euro zu kaufen war. „Es kommt derzeit an manchen Tagen sogar zu Lieferverzögerungen. Aber wir arbeiten Tag und Nacht, am Ende bekommt jeder das Gold, das er bestellt“, sagt der Marketingleiter der Münze Österreich Kerry Tattersall.

Der Rekordverkauf wurde gerade gebrochen: 20.000 Unzen an nur einem Tag. Tattersall: „Wir verkaufen derzeit in einem Monat so viel wie normalerweise in einem ganzen Quartal.“

Noch sicherer sind Produkte mit fixen Zinsen
Ein wahrer Ansturm findet derzeit auf bundesschatz.at statt. Das sind Wertpapiere des Staates Österreich mit 100-prozentiger Sicherheit. Wer hier investiert, bekommt bei einer Laufzeit von sechs Monaten etwa 4,05 Prozent, bei einem Jahr 4,25 Prozent.

Im vergangenen Jahr hat sich die Summe des Geldes der Privatanleger bei bundesschatz.at nahezu verdoppelt. Mittlerweile veranlagen weit mehr als 50.000 Österreicher dort ihr Geld. In den letzten Tagen bildeten sich lange Schlangen vor den Verkaufsschaltern.

Einen Ansturm verunsicherter Kunden spüren Direktbanken, also Internetbanken, die hohe Zinsen bieten. Bei der Easybank etwa werden 4,6 Prozent geboten. Seit zwei Monaten sind die Kundenzahlen sprunghaft um 10.000 angestiegen. Vergleichbar ist es bei der ING DiBa. Die niederländische Bank vergibt 4,5 % Zinsen. Die Besonderheit: Das veranlagte Vermögen ist bis zu 1,23 Milliarden Euro garantiert.

Auch Großbanken spüren den Drang nach Sicherheit: Bei der Ersten sind Spareinlagen um 10 Prozent gestiegen, bei der Bank Austria spürt man auch den deutlichen Trend zum Sparbuch.




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