30. Dezember 2007 08:51

Rechnungshof-Bericht 

Kopfschütteln über Top-Gagen

Die Diskussion über hohe Vorstandsbezüge ist in Österreich voll entbrannt. Politik und Gewerkschaft fordern Maßnahmen und Gagenlimits.

Kopfschütteln über Top-Gagen
© TZ Österreich

Seit dieser Woche sorgt der brandneue Rechnungshofbericht zu den Gehältern in staatsnahen Betrieben landesweit für Aufregung. Schwarz auf weiß ist hier zu lesen, dass etliche Unternehmensvorstände von Austrian Airlines über die ÖBB bis zur Post AG Spitzengagen kassieren, die weit über dem Einkommen des Bundeskanzlers (knapp 280.000 Euro/Jahr) liegen.

Einkommensschere
Über 300 Seiten stark ist der Rechnungshofbericht, der die Gehälter in 316 Betrieben mit Bundesbeteiligung auflistet. ÖSTERREICH präsentiert erstmals eine große Liste der Vorstands- und Mitarbeiter-Bezüge der wichtigsten Firmen. Klar wird: Die Einkommensschere zwischen den Managern und ihren Mitarbeitern wird immer größer. Und während sich die Vorstände von 2005 auf 2006 satte Erhöhungen von oft mehr als zehn Prozent gönnten, stiegen die Gehälter der Beschäftigten laut Arbeiterkammer (AK) nur um 3,2 Prozent. Post-Gewerkschaftssprecher Martin Palensky ist empört: "Wir mussten 17 Stunden kämpfen, um für unsere Mitarbeiter drei Prozent zu erringen – und die Vorstände genehmigen sich einfach ein Plus von 9,8 Prozent."

Neue Regeln für Gagen
Günther Kräuter, Rechnungshofsprecher der SPÖ, sieht viel Handlungsbedarf. "Was die Vorstände an Prämien kassieren und mit welcher Begründung, gehört aufgeschlüsselt." Er kritisiert vor allem das großzügige Prämiensystem bei den ÖBB. "Wie kann es sein, dass ein Unternehmen mit kritischer Gesamtperformance so hohe Prämien auszahlt? Der Aufsichtsrat sollte das offenlegen."

Die AK legte jetzt ein Forderungspaket für mehr Gagen-Transparenz vor:

  • Die Bezüge sollen für jedes Vorstandsmitglied einzeln ausgewiesen werden.
  • Mit einem Kriterienkatalog soll die "Angemessenheit" der Managerbezüge bewertet werden, außerdem ist an Gehaltsobergrenzen gedacht.
  • Bei börsennotierten Firmen sollen die Aktionäre bei der Festlegung der Vorstandsbezüge mitreden.
  • Die steuerliche Begünstigung von Aktienoptionen für Manager soll fallen.

Auch auf Landesebene
Analog zu den staatsnahen Betrieben sollten die Bezüge auch bei den Landesgesellschaften offengelegt werden, fordert Werner Kogler, Rechnungshofsprecher der Grünen. "Es gibt genug Vorstände, die über dem Kanzlergehalt liegen." Kogler wird das im Jänner auf den Weg bringen. "die Leute sollen wissen, was verdient wird. Das ist der Mindeststandard."




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