06. Februar 2009 14:22

Wifo-Studie 

Krankmacher am Arbeitsplatz kosten Milliarden

Eine Wifo-Studie listet die horrenden Summen auf - Dabei könnte allein durch die Einhaltung von Schutznormen kräftig gespart werden.

Krankmacher am Arbeitsplatz kosten Milliarden
© APA
Krankmacher am Arbeitsplatz kosten Milliarden
© sxc

Krankmachende Arbeitsbelastungen führen nicht nur zu dauerhaften gesundheitlichen Schäden bei den Beschäftigten, sie kosten die Wirtschaft auch Milliarden. Allein durch physische Arbeitsplatzbelastungen entstehen jährlich gesamtwirtschaftliche Kosten von 2,8 Mrd. Euro, was in etwa 1,2 bis 1,3 Prozent des BIP entspricht. Das geht aus einer von der Arbeiterkammer in Auftrag gegebenen Wifo-Studie hervor.

Würde man die psychischen Belastungen zu diesen Kosten dazurechnen, würden sich die Belastungen noch verdoppeln, so AK-Präsident Herbert Tumpel.

Einsparpotenzial von 1,7 Mrd.
Verbesserungen bei stark belasteten Arbeitsplätzen könnten laut Wifo schätzungsweise bis zu 1,7 Mrd. Euro an Einsparungen für die Wirtschaft bringen. Insgesamt betragen die jährlichen Kosten für Krankenstände 12,7 Mrd. Euro. Auf sechs in der Studie berücksichtigte körperliche Belastungen entfallen mit 2,8 Mrd. Euro fast ein Viertel oder 23 Prozent aller Krankenstandkosten.

Enorme Krankenstandskosten
Im Detail entfallen davon 19,1 Prozent auf schwere körperliche Arbeit, 16,1 Prozent auf Einwirkungen von Vibrationen, 15,3 Prozent auf Arbeit mit gefährlichen Stoffen, 13,1 Prozent auf die Gefahr von Arbeitsunfällen, 6,4 Prozent auf erzwungene Körperhaltungen bei der Arbeit und 2,8 Prozent auf Belastungen durch das Tragen von Schutzausrüstungen.

Die Gesamtkosten gliedern sich in 570 Mio. Euro Entgeltfortzahlungen und Krankengeld, 930 Mio. Euro entfallene Wertschöpfung und 1,3 Mrd. Euro kosten die Krankenbehandlungen.

Schutznormen einhalten
Tumpel fordert daher von den Arbeitgebern notwendige Schutzmaßnahmen ein. Denn davon profitieren auch die Unternehmen, die letztendlich Kosten sparen. Vor allem müssten die Schutznormen eingehalten werden. So hat das Arbeitsinspektorat 2007 rund 95.000 Betriebsbegehungen durchgeführt und 64.000 Übertretungen der Arbeitnehmerschutznormen festgestellt.

Gesetze adaptieren
Das Arbeitnehmerschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen müssen aktualisiert werden, wünscht sich der AK-Präsident. Unter anderem müssten die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Arbeitsstoffe aktualisiert und schweres Heben begrenzt werden. Für gesundheitsschädliche Maschinen kann sich Tumpel eine "Verschrottungsprämie" vorstellen.

Aus dem "Aktionsplan für ältere Arbeitnehmer" sollten die gesundheitsrelevanten Forderungen schnellstens umgesetzt werden. Denn Ziel sei die Verhütung von Krankheiten statt die Frühpensionierung von Kranken.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |