26. Dezember 2007 18:18

Wachstum gebremst 

Kreditkrise verdirbt US-Weihnachtsgeschäft

Das Umsatzplus war mit 3,6 Prozent nur halb so hoch wie in den Vorjahren. Das reicht nicht für die Rettung der Konjunktur.

Kreditkrise verdirbt US-Weihnachtsgeschäft
© AFP PHOTO/Justin Sullivan/Getty Images

Die Kreditkrise hat dem US-Einzelhandel ein vergleichsweise schwaches Weihnachtsgeschäft beschert. Für die an große Zuwächse gewöhnte Branche fiel das Umsatzplus nur etwa halb so hoch aus wie in den Vorjahren, obwohl die Rabattaktionen der Einzelhändler diesmal so umfangreich wie selten zuvor waren.

Heuer 3,6 Prozent Plus, im Vorjahr 6,6 Prozent
Die Erlöse stiegen in der Weihnachtszeit um 3,6 Prozent, ergaben erste Daten des Kreditkartenanbieters MasterCard. Im Vorjahr hatte das Plus noch bei 6,6 Prozent, 2005 sogar bei 8,7 Prozent gelegen. Die USA dürften damit das schwächste Wachstum im Weihnachtsgeschäft seit vier oder fünf Jahren erlebt haben. Benzin herausgerechnet, das rund 30 Prozent mehr kostete als 2006, stiegen die Einnahmen der Einzelhändler sogar nur um 2,4 Prozent. Die endgültigen Zahlen stehen allerdings noch aus.

Immo-Krise und hohe Spritkosten
Den Verbrauchern machten besonders die Immobilienkrise und hohe Spritpreise zu schaffen. Experten werten dies als weiteres Anzeichen für eine sich eintrübende US-Konjunktur. Ein Warnsignal seien auch der zuletzt ungewöhnlich starke Anstieg von Ausfällen bei Kreditkartenrechnungen.

Für Verbraucherelektronik gaben die Amerikaner den Angaben zufolge knapp drei Prozent mehr aus als 2006. Das stärkste Wachstum verbuchten Internet-Einzelhändler, die gut ein Fünftel mehr einnahmen. Dagegen schrumpften die Ausgaben für Damenbekleidung.

Auch Supermarktkette Target gibt niedrigere Einnahmen bekannt
Der nach Wal-Mart zweitgrößte US-Discounter Target hatte erst am Montag gewarnt, dass seine Einnahmen im Dezember bisher niedriger als erwartet ausfielen. Die Aktien des Unternehmens büßten am Mittwoch vorbörslich rund vier Prozent an Wert ein.

Kein neuer Schwung für US-Wirtschaft
Den Einzelhandels-Umsätzen kommt in diesem Jahr eine besonders große Bedeutung zu, denn ausgabefreudige Verbraucher könnten die weltgrößte Volkswirtschaft der Welt vor einer Rezession bewahren. Die etwas schwächer als erwartet ausgefallen Umsätze reichten aber voraussichtlich allein nicht aus, um der US-Wirtschaft neuen Schwung zu geben, erklärte die MasterCard-Tochter SpendingPulse am Dienstag.

US-Eigenheime verlieren im Rekordtempo an Wert
Die Hauspreise in den USA fallen im Rekordtempo und schüren die Furcht vor einer Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft. Dem angesehenen S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex vom Mittwoch zufolge kostete ein Einfamilienhaus im Oktober fast sieben Prozent weniger als vor einem Jahr. Dieses Minus übertraf sogar den bisherigen Rekord-Rückgang vom April 1991. Innerhalb eines Monats fielen die Preise im Durchschnitt um 1,4 Prozent.

Krise noch lange nicht überwunden
Die Daten sind ein weiterer Beleg dafür, dass die Immobilienkrise in den USA noch längst nicht überwunden ist. "Wie man die Daten auch betrachtet, es ist offensichtlich, dass es auf dem Markt für Einfamilienhäuser weiter düster aussieht", resümierte Chefvolkswirt Robert Shiller von MacroMarkets LLC, der den Index mitberechnet. Den stärksten Rückgang unter den zehn Ballungsräumen, die in dem Index berücksichtigt werden, verbuchte Miami: Dort kostete ein Eigenheim im Oktober im Schnitt gut zwölf Prozent weniger als vor einem Jahr.

Der bisher Rekordwert für einen Preisrückgang bei den US-Immobilien lag im April 1991 bei 6,3 Prozent. Der S&P/Case-Shiller-Index erfasst die Preise für Einfamilienhäuser in zehn großstädtischen Gebieten. Ein umfassenderer Index von 20 Großstadt-Regionen sank um 6,1 Prozent.




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