10. September 2008 11:42

Finanzmarktkrise 

Lehman Brothers macht 3,9 Mrd Dollar miese

Die US-Investmentbank weist für das dritte Quartal 3,9 Milliarden Dollar Verlust aus. Erstmals seit 1994 schreibt das Institut rote Zahlen.

Lehman Brothers macht 3,9 Mrd Dollar miese

Die seit einem Jahr tobende Finanzmarktkrise greift nach einem neuen Opfer: Die stark angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers will sich mit dem Teilverkauf ihrer Vermögensverwaltungsbranche und der Ausgliederung der Gewerbeimmobilien in eine eigene Aktiengesellschaft finanziell Luft verschaffen. Im dritten Geschäftsquartal machte das traditionsreiche Geldhaus nach vorläufigen Zahlen von Mittwoch einen Verlust von 3,9 Mrd. Dollar (knapp 2,8 Mrd. Euro).

Bereits im zweiten Quartal seines am 1. Dezember beginnenden Geschäftsjahres hatte Lehman Brothers wegen der US-Hypothekenkrise einen Verlust von 2,87 Mrd. Dollar hinnehmen müssen und damit erstmals seit seiner Ausgliederung aus American Express im Jahr 1994 rote Zahlen geschrieben. In diesem Jahr verlor die Bank damit schon 6,5 Mrd. Dollar.

Verkäufe notwendig
Lehman Brothers kündigte an, einen Anteil von 55 Prozent am Investment-Management verkaufen zu wollen, zu dem auch die erst 2003 übernommene Vermögensverwaltung Neuberger Berman gehört. Der Name eines möglichen Käufers wurde nicht genannt; Vorstandschef Richard Fuld sprach von "fortgeschrittenen Verhandlungen". Der Wert des Investment-Managements wird von Analysten insgesamt auf 10 Mrd. Dollar geschätzt.

Außerdem sollen Anfang 2009 Gewerbeimmobilien im Wert von 25 Mrd. bis 30 Mrd. Dollar in eine neue Aktiengesellschaft mit Namen REI Global (Real Estate Investments Global) ausgegliedert werden. Ferner soll die Dividende auf 5 Cent gekürzt werden, nach zuletzt 68 Cent.

Zusammengenommen würden diese Maßnahmen die Firma schnell von Risiken befreien und in eine neue Größe bringen, erklärte Fuld.

Einstiegs-Gespräche gescheitert
Gespräche über einen Einstieg der staatseigenen Korea Development Bank (KDB) waren allerdings zuvor bereits gescheitert, wie am Mittwoch bestätigt wurde. KDB begründete die Entscheidung mit "Differenzen" und dem Verweis auf die Finanzmarktlage. Weil über eine solche Entwicklung bereits spekuliert wurde, hatte sich schon am Vortag der Lehman-Aktienkurs um fast die Hälfte auf nur mehr 7,79 Dollar reduziert. Am Mittwoch verlor das Papier vorbörslich weitere 13,2 Prozent.

An der Börse ist der Wert von Lehman Brothers drastisch gesunken: Am Dienstag war Lehman Brothers nur noch 5,4 Mrd. Dollar wert, vor einem Jahr waren es noch 36 Mrd. Dollar.

Die internationale Bankbranche hat im Zusammenhang mit der seit mehr als einem Jahr grassierenden Hypothekenkrise mittlerweile mehr als 300 Mrd. Dollar verloren. In den USA sind bereits mehrere Banken zusammengebrochen oder wurden in letzter Sekunde gerettet, wie Bear Stearns im März durch eine Übernahme durch JP Morgan Chase und jüngst die Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac durch eine staatliche Zwangsverwaltung.




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