18. September 2008 08:46
Der ins Straucheln geratene britische Baufinanzierer HBOS hat beim
Konkurrenten Lloyds TSB Unterschlupf gefunden. Insgesamt legt Lloyds für
HBOS umgerechnet rund 15 Mrd. Euro auf den Tisch. Je Aktie bietet die
fünftgrößte börsennotierte Bank in Großbritannien 0,83 eigene Aktie für jede
HBOS-Aktie, wie Lloyds am Donnerstag mitteilte. Damit verschwindet innerhalb
weniger Tage erneut eine Großbank vom Kurszettel. HBOS war im Zuge der
Finanzmarktkrise in Schwierigkeiten geraten und hatte sich Lloyds zum Kauf
angeboten.
Die britische Aufsichtsbehörde FSA begrüßte die Übernahme. Das beruhige die
turbulenten Märkte und stelle wieder Vertrauen her bei Banken und Kunden in
Großbritannien. HBOS sei eine gut kapitalisierte Bank und sei weiterhin in
der Lage, sich zu refinanzieren.
Jetzt droht der Stellenabbau
Lloyds-Chef Eric Daniels sagte, der
Zusammenschluss mit HBOS sei keine "Zwangshochzeit", die beiden Institute
hätten schon länger miteinander gesprochen. Einen Stellenabbau könne er
nicht ausschließen, Medienberichte über den Verlust von 40.000 Stellen
hörten sich aber "sehr hochgegriffen" an. Die Übernahme solle im Jahr 2009
abgeschlossen werden.
Mit dem Zusammenschluss entsteht ein Hypotheken-Gigant mit einem
Börsenwert von rund 35 Mrd. Euro. Im Geschäft mit Baufinanzierungen belegt
Lloyds Platz vier, HBOS ist mit Abstand die Nummer eins mit einem
Marktanteil von 20 Prozent.
Die HBOS-Aktien reagierten zu Handelsbeginn mit einem Kurssprung von rund
24 Prozent auf die Übernahmevereinbarung, Lloyds-Titel verloren dagegen rund
sieben Prozent. Am Mittwoch hatten die HBOS-Papiere knapp 20 Prozent
schwächer mit 186 Pence (2,3 Euro) geschlossen, nachdem sie zeitweise bis
auf 88 Pence abgesackt waren. Vor Jahresfrist waren sie noch knapp 1.000
Pence wert. Spekulationen über Finanzierungsprobleme bei HBOS hatten den
Aktienkurs in den vergangenen Tagen rasant abstürzen lassen.
Immobilien verlieren an Wert
Nach jahrelangem Boom verlieren
britische Immobilien seit Monaten an Wert. Viele Eigenheim-Besitzer haben
Probleme, da sie der Bank inzwischen mehr Geld schulden, als ihre Immobilie
wert ist. Die Baufinanzierer tragen eine Mitschuld an dem Dilemma, da sie
wie in den USA freigiebig Hypotheken vergaben und oftmals kaum den Einsatz
von Eigenkapital forderten.
Foto: (c) Reuters