14. Juli 2008 17:36

Management-buy-out 

Lösung bei Verkauf von Siemens-Werk möglich

In den zum Verkauf stehenden Siemens-Elektronikwerken in Siegendorf, Wien und Linz könnte noch länger Siemens drin sein, als drauf steht.

Lösung bei Verkauf von Siemens-Werk möglich
© DPA

Der Grund: Bei dem aus Simea (Elektronikwerk Siegendorf), Mechanikwerk Wien (MWW in Wien-Simmering) und der Schaltschrankfertigung in Linz bestehenden Werkeverbund scheint ein Management-buy-out (MBO) sehr wahrscheinlich, berichtet "Der Standard" in seiner Dienstagausgabe.

Demnach hieß es aus hohen Siemens-Kreisen, es gebe bereits eine Galionsfigur, auf der alle Hoffnungen bezüglich Weiterführung der unter enormen Kostendruck stehenden Produktionseinheiten ruhen: Friedrich Pressl, Prokurist der Siemens AG Österreich und bis 2003 Geschäftsführer von Siemens Transportation Systems.

Fehlendes Kleingeld
Das Problem: Der 57-jährige hat wohl das Zeug, den Werkeverbund mit 620 Beschäftigten zu führen, aber nicht das nötige Kleingeld, um Elektronik- und Mechanikwerke aus Siemens herauszukaufen. Da hilft selbst ein einflussreicher Fürsprecher nur bedingt. Den gibt Albert Hochleitner, bis 2005 Generaldirektor von Siemens Österreich.

Dass er beim Simea-MBO als Gesellschafter in Geschäftführerrolle schlüpfen könnte, stellt Hochleitner auf Anfrage jedoch in Abrede: "Das ist ein Irrtum." Er räumt aber ein, sich massiv gegen die Zerteilung des Simea-Verbunds in seine Einzelteile mit anschließendem Abverkauf ausgesprochen zu haben, und sich intensiv für einen Verkauf im Verbund eingesetzt zu haben. Er sei überzeugt, dass die drei Fertigungen - die Produktpalette reicht von Drehstromabnehmern für Straßenbahnen über Elektronik-Komponenten für Hausgeräte, Schaltschränken bis zu Metallmechanikteilen wie Behindertenrampen oder Medizintechnik-Koffern - lebensfähig seien, weil es einen entsprechenden Markt gebe.

Positives Ergebnis
Das Problem mit dem notwendigen Kapital ist damit freilich nicht gelöst, wenngleich Insider davon ausgehen, dass selbiger nicht sehr hoch sein könne, weil Siegendorf nie Gewinne geschrieben habe (und nach Auslaufen diverser Förderungen 2007 sogar 22,5 Mio. Euro Zuschuss brauchte), schreibt die Zeitung. Das MMW in Simmering weist laut Geschäftsbericht 2007 mit einer Betriebsleistung (Ebit) von vier Prozent des Umsatzes (in Höhe von 18,7 Mio. Euro) wohl ein "gesichert positives Ergebnis" und verbesserten Auftragsstand aus, leidet aber unter den Rekordpreisen von Kupfer, Niro und Alu.

Was das Startkapital betrifft, soll das Münchner Stammhaus bereits Beweglichkeit signalisiert haben. Es würde somit einmal mehr seinem Ruf als "Bank mit angeschlossener Elektroabteilung" gerecht, indem es Mezzanin-Kapital zur Verfügung stellt. Ederer wollte zum geplanten Simea-MBO unter Hinweis auf laufende Verhandlungen "keinen Kommentar" abgeben. Sie hatte einen MBO aber als "sehr erwünscht" bezeichnet - und würde sich Protestaktionen seitens des Betriebsrats während es Nationalratswahlkampfs ersparen. Die ausgekauften Betriebe freilich wären doppelt abhängig vom Elektromulti: Einerseits von zusätzlichen Aufträgen, die Brigitte Ederer in Aussicht gestellt hat, zum anderen über das Startkapital für Simea.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |