24. August 2008 11:49

Bieterkampf 

Lufthansa kämpft mit allen Mitteln

Der bevorstehende Bieterkampf um die AUA treibt die Aktie nach oben. Mitte Juli war die AUA an der Börse 190 Mio. wert – jetzt sind es 460 Mio.

Lufthansa kämpft mit allen Mitteln
© APA

Nach Ablauf der Frist für die unverbindliche Bewerbung um den Einstieg bei der AUA am Sonntag um Mitternacht ist klar: Der Bieterkampf um die angeschlagene heimische Airline wird beinhart. Denn Favorit Lufthansa bekommt höchst offensive Konkurrenz: zum einen von der sibirischen Airline S7, zum anderen von der Air China.

Chinesen sind dabei
Offiziell schweigt die Staatsholding ÖIAG, deren AUA-Anteile (42,75 %) zum Verkauf stehen, zu Zahl und Namen der Bewerber. Nur die Lufthansa gab gleich gestern früh bekannt, sich beworben zu haben. Wie ÖSTERREICH erfuhr, matchen sich aber mindestens sechs Airlines um die AUA. Darunter sind neben der Lufthansa die Air France/KLM, Turkish Airlines, die zweitgrößte russische Fluglinie S7 – und auch die Air China hat ihre Interessensbekundung bei der zuständigen Investmentbank Merrill Lynch abgegeben, bestätigten involvierte Kreise gegenüber ÖSTERREICH.

Starke Konkurrenz
Sowohl mit den Russen als auch mit den Chinesen hat die Lufthansa Konkurrenten, die nicht nur bereit sind, viel Geld auf den Tisch zu legen, sondern der AUA auch strategisch interessante Perspektiven bieten würden:

-Die aus der staatlichen russischen Airline Sibir hervorgegangene, inzwischen privatisierte S7 würde die Oststrategie der AUA stärken und ihr den riesigen russischen Markt erschließen. Neben den Drehkreuzen Moskau, Irkutsk und Nowosibirsk ist die S7 auch am Flughafen Sotschi (gehört dem Oligarchen Oleg Deripaska) sehr stark – im Hinblick auf Olympia 2014 böte das Top-Perspektiven für die AUA als Ost-Carrier.

-Die Air China (wie die AUA Star Alliance-Mitglied) will zunächst nur eine Minderheitsbeteiligung an der AUA. Sie könnte Wien als Europa-Drehkreuz nutzen, was die AUA ebenfalls stärken würde.

Straffer Zeitplan
Sorgen bereitet den Chinesen der enge Zeitplan des Bieterverfahrens. Für die Abgabe verbindlicher Angebote haben die Bewerber nur bis 12. September Zeit – knapp 3 Wochen. Ein derart knapper Zeitrahmen sei unüblich, sagen Experten. Vermutet wird, dass das Favorit Lufthansa in die Hände spielen soll.

Plus 270 Mio. an der Börse
Das zu erwartende Bietergefecht treibt den Kurs der AUA-Aktie steil nach oben. Nachdem das Papier schon am Freitag mehr als 10 % gestiegen war, legte es gestern zeitweise über 11 % zu und notierte am Nachmittag knapp unter 5,40 Euro . Seit dem Tiefststand der Aktie Mitte Juli (2,13 Euro) hat der Börsenwert der AUA um 270 Mio. Euro auf rund 460 Mio. Euro zugelegt




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