25. Oktober 2008 21:48

AUA-Verkauf 

Lufthansa will AUA gratis und noch Millionen drauf

Lesen Sie alle Details, wie die Lufthansa die AUA kaufen will – und warum wir dafür 500 Millionen zahlen ...

Lufthansa will AUA gratis und noch Millionen drauf
© AP

Die nächsten 24 Stunden entscheiden über das Schicksal der AUA. Sonntag ab 15 Uhr berät der Privatisierungs-Ausschuss, ob die ÖIAG das Angebot der Lufthansa annehmen soll. Montag ab 10 Uhr wird dann der ÖIAG-Aufsichtsrat entscheiden, ob er die AUA an die Lufthansa regelrecht „verschenken“ soll – oder ob der schnelle Verkauf gestoppt, die Bieterphase neu ausgeschrieben und die AUA in der Zwischenzeit von der Regierung „gerettet“ werden soll. .

Brutales Angebot
Mittlerweile sind aus Insider-Kreisen der ÖIAG fast alle Details über das „Kaufangebot“ der Lufthansa für die AUA durchgesickert. Dabei stellt sich heraus: Das Lufthansa-Angebot ist noch viel brutaler ausgefallen als von der ÖIAG befürchtet.

Wollte die ÖIAG ursprünglich ihre 42 Prozent an der AUA um 7 Euro pro Aktie (erhoffte 240 Millionen Euro Erlös) verkaufen, so will die Lufthansa für die AUA nun „nur einen symbolischen Euro“ zahlen.

Die Lufthansa will die AUA aber nicht nur geschenkt – sie weigert sich auch, die extrem hohen Schulden der AUA (über 900 Millionen Euro) zu übernehmen. Konkret will die Lufthansa „nur 200 bis 300 Millionen der aktuellen Schulden“ übernehmen – den Rest soll die ÖIAG tragen.

Gleichzeitig fordert die Lufthansa bei einem Kauf „eine Wertberichtigungs-Garantie“ der ÖIAG für die – nachweislich – falsche Bewertung von Flugzeugen und Pensionsrückstellungen, die noch einmal Hunderte Millionen ausmacht.

Der Besserungsschein
Verzweifelt versuchte die ÖIAG in den letzten Stunden, die Lufthansa zur Übernahme der Hälfte der Schulden (knapp 500 Mio.) und zu einem „Besserungsschein“ zu überreden. In diesem Fall würde die ÖIAG zwar die Schulden übernehmen – bekäme sie aber, sobald die AUA wieder Gewinne einfliegt, zurückbezahlt. Ein ÖIAG-Insider: „Das wäre der ideale Kompromiss – jeder könnte sein Gesicht wahren.“

Tatsächlich wird die Verkaufsentscheidung zum Thriller: ÖVP-Finanzminister Molterer und die klare Mehrheit des (mehrheitlich ÖVP-nahen) ÖIAG-Aufsichtsrates wollen den Verkauf an die AUA Sonntag und Montag durchziehen. Ihr Argument: Ohne Lufthansa-Partnerschaft fliegt die AUA in die Pleite.

SPÖ will Neustart
Die SP-nahen Vertreter im ÖIAG-Aufsichtsrat (klar in der Minderheit) wollen jedoch am Montag gegen den Verkauf stimmen. Ihr Argument: Statt der Lufthansa die AUA und 500 Millionen Draufgabe zu schenken, soll die AUA 300 Millionen neues Kapital erhalten und einen Neustart wagen. Sobald die Luftfahrt-Krise vorbei ist, soll ein neuer Verkaufsprozess beginnen.

Klagen drohen
Schon heute drohen SPÖ, FPÖ und Grüne mit einem U-Ausschuss im Parlament, mit einer Rechnungshof-Prüfung und mit Anzeigen beim Staatsanwalt. Auch die ausgeschiedene Air France droht mit Klage, weil ihr Unterlagen verweigert wurden. Die ÖIAG-Aufsichtsräte riskieren mit einem „Ja“ zur Lufthansa also viel. Trotzdem sagen ÖIAG-Insider: Es wird ein klares Ja für den Verkauf an die Lufthansa geben. Montag um 12 Uhr ist die Lufthansa „deutsch“.

Wie die Lufthansa kauft:

Der Deal: Die Lufthansa will die Totalübernahme – alle 100 % erwerben.

Der Kaufpreis: Für die 42 Prozent Anteile der ÖIAG (Wert in den ÖIAG-Büchern: 240 Mio., laut Börse: 110 Mio.) will die Lufthansa nur 1 Euro zahlen. Für Streubesitz bietet sie bis zu 4,50 Euro.

Die Investition: Die Lufthansa will von den angelaufenen 900 Mio. Schulden plus 100 Mio. Minus aus laufendem Betrieb nur 200 bis 300 Mio. übernehmen, dafür aber 300 Mio. in neue Flieger und 300 Mio. in die Sanierung der AUA investieren.

Austria-Komponente: Statt dem von der Regierung geforderten „Österreich-Konsortium“ (mit 25,1 %) soll es nur eine „Österreich-Stiftung“ geben.

Das Ziel: Eine „Austria-Airline“, in die auch NIKI integriert werden soll.

Was der AUA solo droht:

Das Ziel: Die AUA muss 150 Millionen Minus im Jahr wegbringen.

Flugplan: Weil derzeit fast jeder zweite Flug unrentabel ist, müssten bis zu 40 Prozent aller Flüge gestrichen werden, darunter zwei Drittel aller Langstreckenflüge.

Die Flotte: Von derzeit 99 Fliegern müssten an die 40 stillgelegt werden – die AUA würde nur 60 Flieger haben.

Die Piloten: 400 Piloten von 1.100 müssten „abgebaut“ werden. Kosten allein für die Abfertigung: 400 Millionen Euro.

Das Personal: Von 8.000 Mitarbeitern müssten bis zu 2.000 gehen – heißt: Ein Viertel des Personals wird abgebaut.

Kapital: 200 Millionen für den Flugbetrieb, 400 Millionen für Abfertigungen als Zuschuss vom Staat als einzige Chance.




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