15. Mai 2008 09:17

Trennung mit Wien 

MEL wird zu "europäischer Gesellschaft" umgebaut

Paukenschlag bei der MEL. Die Verbinungen zu Wien werden getrennt, ein Listing an einer weiteren internationalen Börse soll kommen.

MEL wird zu "europäischer Gesellschaft" umgebaut
© APA/SCHNEIDER

Bei der börsenotierten Immo-Gesellschaft Meinl European Land (MEL) wird nach dem Closing des Deals mit den neuen die Gesellschaft beherrschenden Eigentümern kein Stein auf dem anderen bleiben. Die MEL werde zu einer "europäischen Gesellschaft" umgebaut, der Übergang solle reibungslos erfolgen, kündigte Chaim Katzman, Chairman der in Tel Aviv börsenotierten Gazit Globe - die gemeinsam mit einem Citibank-Immobilienfonds (Citi Property Investors - CPI) bei MEL einsteigt - am Mittwochabend an.

Verbindungen mit Österreich gekappt
Dabei werden die bisher engen Verbindungen des auf der Kanalinsel Jersey ansässigen Unternehmens mit Wien bzw. Österreich und Meinl gekappt: Neben der intensiven Suche nach einem neuen Namen - ohne "Meinl" - ist man auch auf der Suche nach einem neuen Standort. Wien komme da wohl nicht infrage, ließen die neuen Hauptaktionäre durchblicken. Die Assets des Unternehmens befänden sich ja ohnehin alle außerhalb Österreichs in Osteuropa.

Listing an internationaler Börse
Neben dem Listing an der Wiener Börse wird auch ein zweites Listing an einer großen europäischen Börse erwogen, etwa in London, Amsterdam oder Frankfurt. Für Shanti Sen, Direktorin von Citi Property Investors, ist bei der Auswahl des neuen Standorts auch der Ort des zweiten Listings und der dort vorhandene Talente-Pool mitentscheidend. Auch die bisher engen Beziehungen der MEL mit der Meinl Bank werden fallen. Natürlich könne man die Meinl Bank nicht hindern, Aktien zu kaufen, eine besondere Rolle sei aber nicht vorgesehen, so Katzman.

Strukturellen "Besonderheiten" gestrichen
In der Struktur der Gesellschaft setzen die neuen Hauptaktionäre auf "Transparenz", versicherte Katzman: Die bisher viel kritisierten strukturellen "Besonderheiten" bei der MEL werden gestrichen. Das Management werde von externem Management auf internes Management umgestellt. Von der bisherigen volumen-orientierten Entlohnung für das Management werde zu einer "in der internationalen Wirtschaft üblichen" performance-orientierten Entlohnung übergegangen, betonte Katzman. Die "Partly Paid Shares" (teileinbezahlte Aktien), deren Eigentümer bisher nicht genannt wurden, werden eingezogen.

Standortentscheidung in ca. zwei Monaten
Die künftige Chefin der MEL, Rachel Lavine, hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Monaten zahlreiche Immobilien des Konzerns in osteuropäischen Ländern besucht. "Das Portfolio ist gut", zeigte sie sich insgesamt zufrieden. Sie habe sehr gute Standorte, aber auch Standorte "mit Verbesserungspotenzial" gesehen. Nun werde eine umfassende Strategie erarbeitet, die Entwicklung, Hereinnahme von Partnern bei großen Standorten in Russland und auch strategische Verkäufe und Zukäufe beinhalte. Zwei bis drei Monate nach dem Closing werde dann feststehen, wo bzw. was gekauft werden solle und welche der Objekte zum Verkauf stünden. "Steigerung des Ertrags, Begrenzung der Kosten", fasste Lavine ihre Strategie zusammen.

Zukäufe in der Ukraine
Verkäufe erwägt die künftige MEL-Chefin Lavine insbesondere in Tschechien, Zukäufe in der Ukraine. In diesem neuen "Zielland" besitze MEL bisher nur ein Objekt, doch "die Ukraine ist heute, was Polen vor sieben Jahren war", zeigt sie sich vom wirtschaftlichen Potenzial des Landes überzeugt. Auch in Russland sieht sie Chancen für Zukäufe, die Zahl der dortigen Objekte könnte von derzeit 14 auf 20 bzw. 25 wachsen. Besonders stolz ist Lavine über das Abkommen mit der EBRD (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) betreffend Investitionen in Georgien, Armenien und Kasachstan.




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