01. Oktober 2009 20:44

Nicht wegen Opel 

Magna kriegt keine Chrysler-Aufträge

Magna produzierte immer für mehrere Kunden parallel und könne mit Geheimhaltung gut umgehen, so Günther Apfalter im ÖSTERREICH-Interview.

Magna kriegt keine Chrysler-Aufträge
© Magna

ÖSTERREICH: Derzeit ist große Aufregung über das Ende der Chrysler-Aufträge für Magna…
Günther Apfalter: Dass diese Verträge per Ende des 1.Quartals 2010 auslaufen, ist in den Verträgen seit Langem festgehalten. Dann ist der Produkt­linienzyklus zu Ende. Die Verträge wurden 2003 geschlossen, da stand auch das Enddatum drin.
ÖSTERREICH:
Fiat- und Chrysler-Boss Marchionne entzieht Ihnen keine Aufträge?
Apfalter: Nein, das Vertragsende fällt zufällig zusammen mit der möglichen Opel-Beteiligung, in der Öffentlichkeit wird das nun fälschlicherweise so dargestellt, dass es sich um eine Opel-Strafaktion handelt. Mit der Realität hat das nichts zu tun.
ÖSTERREICH: Ist es denn normal, dass bei Vertragsende der Auftraggeber gleich sagt, dass die Geschäftsbeziehung nicht weiter geht?
Apfalter: Wir hatten auch in früheren Jahren Verträge, die ausgelaufen sind, das ist völlig normal. Auch der Saab-Auftrag läuft demnächst aus. Die Vertragslaufzeit geht bis Ende 2009, wir haben eine perfekte Auslaufplanung. Ein Altvertrag ist nie eine Garantie für einen neuen.
ÖSTERREICH: Wie sieht es mit neuen Aufträgen aus?
Apfalter: Wir konnten in den letzten 12 Monaten alle Gesamtfahrzeugaufträge, die von europäischen Herstellern extern vergeben wurden, für uns lukrieren. Im November 2009 ist der Serienanlauf für den Peugeot 308 RCZ, dann kommt im Frühjahr 2010 schon der Aston Martin Rapide. Und 2010 läuft der Mini SAV an.
ÖSTERREICH: 2011/12 soll der neue Porsche-Auftrag starten. Da verlautet aus dem VW-Konzern, man überdenke das wegen Opel …
Apfalter: Bis dato ist kein offizieller Porsche-Vertreter an uns herangetreten, dass dieser Auftrag abgezogen werden soll. Wir haben einen aufrechten Vertrag und arbeiten an der Umsetzung.
ÖSTERREICH: Hat Ihnen je ein Kunde persönlich gesagt, dass er Magna wegen Opel Aufträge streichen will?
Apfalter: Nein.
ÖSTERREICH: Kolportiert wird, dass Kunden um die Geheimhaltung ihrer Technologie fürchten.
Apfalter: Es ist doch so, dass wir immer parallel für mehrere Kunden entwickelt und produziert haben und mit dem Thema Geheimhaltung perfekt umgehen konnten. Diese Zuverlässigkeit schätzen unsere Kunden.
ÖSTERREICH: Wie viele Autos werden heuer in Graz produziert?
Apfalter: Unter 100.000 – angesichts der schlechten Zeit für die Branche. Bei den Chrysler-Modellen waren es im 1. Halbjahr überhaupt nur knapp über 1.000. Wichtig ist dass der Markt bald wieder anzieht.




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