28. April 2009 15:38

Arbeiterkammer 

Manager-Gehälter steigen trotz Krise

Arbeiterkammer: Trotz Verlusten, Stellenkürzungen und Kurzarbeit steigen die Prämien für Vorstände an.

Manager-Gehälter steigen trotz Krise
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Manager-Gehälter steigen trotz Krise
© APA/ROBERT JAEGER

Die Top-Verdiener unter den Spitzenmanagern börsenotierter Unternehmen in Österreich sitzen in den Vorstandsetagen von OMV, Andritz, Erste Group, Raiffeisen International (RI) und Vienna Insurance Group (VIG). Dies ergibt ein AK-Vergleich der bisher vorliegenden 16 Konzernabschlüsse für 2008.

Im Schnitt verdienten die ATX-Manager im Vorjahr das 48-Fache eines Beschäftigten ihres Unternehmens!

Und neben den Managern werden auch die Aktionäre trotz Wirtschaftskrise bestens bedient: Die Gewinn-Ausschüttungsquote ist weiter gestiegen von 28,2 auf 33,7 Prozent. Deshalb seien auch Nulllohnrunden und Lohnverzicht nicht angebracht, betonte AK-Präsident Herbert Tumpel.

Mangelnde Transparenz
Die jeweiligen individuellen Vorstandsbezüge gibt von den untersuchten Börse-Unternehmen nur die Hälfte an, kritisierte die Arbeiterkammer (AK) eine mangelnde Transparenz. Vorbildlich seien hier neben Erste Group und OMV nur AUA, bwin, Flughafen Wien, Telekom Austria, Verbund und Wienerberger. Dies zeige, dass die Freiwilligkeit des erst Anfang 2009 novellierten Wohlverhaltenskodex (Corporate Governance Kodex), der eine Empfehlung zur Einzelveröffentlichung der Managergehälter beinhaltet, nicht ausreiche sich als "zahnlos" erweise.

OMV
Beim Ölkonzern OMV ist die durchschnittliche Vorstands-Vergütung pro Kopf im Vorjahr gegenüber 2007 um 14,0 Prozent auf 3,557 Mio. Euro brutto angestiegen, darin sind pro Kopf Stock Options von 1,7 Mio. Euro enthalten.

Andritz
Bei Andritz sanken die Gagen im Schnitt um 9,7 Prozent auf 2,153 Mio. Euro.

Erste Group
In der Erste Group Bank gingen sie um 15,0 Prozent auf 1,721 Mio. Euro zurück - jeweils samt ausgewiesenen Abfertigungsaufwendungen für ausgeschiedene Vorstände.

Raiffeisen International (RI)
Die RI-Vorstands-Vergütungen legten mit +56,4 Prozent um mehr als die Hälfte auf im Schnitt 1,550 Mio. Euro pro Kopf zu, davon waren 613.000 Euro durch Stock Options. Die VIG-Vorstände verdienten 2008 mit 1,217 Mio. Euro brutto pro Kopf um 46,9 Prozent mehr als 2007.

AUA
Die höchste Steigerungsrate bei den Top-Manager-Gagen gab es im Vorjahr mit +126 Prozent auf im Schnitt 948.000 (419.000) pro Person bei den Austrian Airlines (AUA) - trotz des Rekordverlusts von 430 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2008. Die Gesamtbezüge des AUA-Managements verdoppelten sich auf 2,8 (1,4) Mio. Euro. Grund war einerseits der kräftige Anstieg der variablen Entgeltbestandteile um mehr als das Vierfache auf 916.000 Euro. Den größten Anteil machen aber die fixen Bezüge samt Sachbezüge von über 1,8 Mio. Euro (+58 Prozent) aus, die auch Pensionskassenbeiträge und die Abfertigung für den ausgeschiedenen Vorstand Thomas Kleibl enthielten. Noch immer auf der Gehaltsliste der AUA fand sich Ex-Marketing-Vorstand Josef Burger, der 2008 noch 530.6000 Euro erhielt (davon 225.000 Euro erfolgsabhängig), obwohl er nur bis September 2007 im Vorstand saß.

AK gegen Stock Options in Staatsunternehmen
Angesichts der hohen - und im Vorjahr noch weiter gestiegenen - Managergehälter in ATX-Unternehmen spricht sich die Arbeiterkammer (AK) gegen Vergütungen in Form von Stock Options für Vorstände von Unternehmen mit einer Beteiligung durch die öffentliche Hand aus und fordert Maßnahmen gegen "unangemessen hohe" Abfindungen. Prämien sollten sich an Kriterien wie Angemessenheit und Nachhaltigkeit orientieren, so AK-Präsident Herbert Tumpel.

Steuer-Absetzbarkeit begrenzen
Die steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern als Betriebsausgabe bei der KÖSt-Berechnung sollte auf 500.000 Euro begrenzt werden, so die AK weiter. Zudem sollte es bei einem Wechsel eines Vorstands in den Aufsichtsrat des selben Unternehmens eine so genannte "Cooling off Periode" von 2 Jahren geben.




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