26. September 2008 13:29

Globale Finanzkrise 

Maschinenfabrik KBA droht Jobabbau

Der deutschen Konzernmutter König & Bauer kommen 70% ihrer Aufträge abhanden, weil die Kunden keine Kredite mehr erhalten.

Maschinenfabrik KBA droht Jobabbau

Die vorsichtige Kreditvergabe der Banken wegen der Finanzmarktkrise wird einige der 700 Mitarbeiter der Maschinenfabrik KBA-Mödling AG den Job kosten. Denn der börsenotierte deutsche Mutterkonzern Koenig & Bauer muss 70 Prozent der zugesagten Aufträge streichen und erwartet heuer Verluste. Nun will die KBA insgesamt "mehrere hundert" Stellen streichen, auch in Mödling soll runtergefahren werden. Ans Zusperren ist aber nicht gedacht, so Marketing-Direktor Klaus Schmidt.

Jobs und Standort
Insgesamt beschäftigt der weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer rund 8.100 Mitarbeiter - davon 700 in Maria Enzersdorf bei Mödling sowie 100 in Ternitz. Wie sich der Personalabbau aufteilt, ist noch ungewiss.

Warten auf 14.11.
Genaueres wird erst bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen am 14. November bekanntgegeben. Davor kommt noch eine Aufsichtsratssitzung. "Wir versuchen, die Gesamtkosten dieser Anpassung möglichst gering zu halten, gleichzeitig versuchen wir, an andere Aufträge heranzukommen", so Schmidt. Das sei im aktuellen Umfeld aber nicht einfach.

Kunden sind pleite
Nach der Branchenfachmesse drupa in Düsseldorf haben sich die Aussichten massiv eingetrübt. "Die Kunden bekommen wegen der neuen Regelungen der Banken keine Kredite mehr - von den bereits vorgemerkten Aufträgen im Volumen von 170 Mio. Euro wurden fast 70 Prozent storniert beziehungsweise sind noch nicht sicher", so Schmidt. Der sonst insgesamt 5 Mrd. Euro schwere Weltmarkt für Bogen- und Offsetmaschinen ist heuer um 25 Prozent eingebrochen.

Schlimme Krise
Die KBA-Gruppe rutscht heuer in die Verlustzone. Ursprünglich hatte Koenig & Bauer mit einem Gewinn vor Steuern auf Vorjahresniveau (rund 63 Mio. Euro) gerechnet. Statt der angepeilten 1,6 Mrd. Euro dürfte der Umsatz aber nur 1,5 Mrd. Euro erreichen. Bei Koenig & Bauer kommen 85 Prozent der Einnahmen aus dem Export. Rund 25 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet der Betrieb normalerweise in den USA, und dieser Markt ist komplett zusammengebrochen. In Europa läuft das Geschäft schlechter als zuletzt, in China sei der Rückgang weniger stark.

Schlechte Zukunft
Da das Geschäft mit Druckmaschinen angesichts der Rezessionsgefahr auch weiterhin schwächeln wird, will das Unternehmen die Produktionskapazitäten in Mödling, in Radebeul (Sachsen) und Dobruska (Tschechien) zurückfahren. Die Gruppe betreibt weltweit 20 Standorte - für die Produktion sind vier Werke in Deutschland, zwei in Österreich und eines in Tschechien zuständig.

Betrieb mit Tradition
Die seit 1848 bestehende Mödlinger Tochter stellt Banknoten- und Wertpapierdruckmaschinen sowie Aggregate für Offset-Druckmaschinen her. Neben der Produktionstätigkeit vertreibt die Konzerntochter die KBA-Produktpalette in Österreich und in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens. In Ternitz hat die Koenig & Bauer-Albert AG ein Produktionswerk für Druckzylinder errichtet.

Ganze Branche leidet
Die Gewinnwarnung der im SDAX notierten Koenig & Bauer ließ die Aktie am Freitagmorgen um 15 Prozent auf 11,74 Euro einbrechen. Auch der schärfste Konkurrent Heidelberger Druck erlitt Einbußen. Die Papiere des weltgrößten Bogenoffsetmaschinen-Herstellers gaben um 6,8 Prozent auf 11,56 Euro nach.




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