05. Juni 2008 10:15

Scharfe Töne 

Massive Proteste bei Telekom-Betriebsversammlung

Rund die Hälfte der Belegschaft erschien bei der Betriebsversammlung der Telekom Austria (TA). Unterstützung kam vom Bundeskanzler.

Massive Proteste bei Telekom-Betriebsversammlung
© AP

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) knüpft die geplante "Ausgliederung" von Beamten in ÖIAG-Firmen an die Zustimmung der Belegschaftsvertreter: "Es geht nicht nur um die Interessen der Firma, sondern auch um die der Belegschaft", erklärte Gusenbauer-Sprecher Stefan Pöttler. "Insoferne kann es nur eine Lösung geben, wenn die Interessen beider Seiten berücksichtigt sind."

Die Betriebsversammlung der Telekom Austria (TA) stand am Donnerstag im Zeichen eines möglichen Personalabbaus und der Gründung einer Arbeitsagentur in der Staatsholding ÖIAG. Unter kräftigem Applaus der rund 2.000 Telekom-Beschäftigten, die sich in der Wiener Remise eingefunden hatte, gab sich ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer kämpferisch.

"Der ÖGB wird euch begleiten"
"Wir haben tiefste Solidarität und tiefste Übereinstimmung mit den Anliegen der Belegschaft", so Hundstorfer. Es könne nicht sein, dass Menschen einfach zwischen Arbeitsagenturen hin und her geschoben werden, meinte er unter kräftigem Applaus der Telekom-Mitarbeiter. "Der ÖGB wird Euch begleiten, der ÖGB ist und bleibt die Kampforganisation des Landes. Wir sind trotz der Krise in den vergangenen Monaten voll da. Da, damit nicht Menschen entsorgt werden", so ein kämpferischer Hundstorfer.

ÖIAG glaubt an Konsens
Die staatliche Holding ÖIAG, unter deren Dach möglicherweise tausende Telekom- und Postmitarbeiter ausgelagert werden sollen betonte, dass es weiterhin auf Gespräche setze und an einen Konsens glaube. Dass Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) heute eine ÖIAG-Arbeitsagentur ohne Zustimmung der Gewerkschaft ausgeschlossen hat, wollte die ÖIAG nicht kommentieren. Nur soviel: Die Lage sei unverändert,

Auch AK-Präsident kämpferisch
"Ich bin auf Eurer Seite", meinte auch AK-Präsident Herbert Tumpel. 50.000 Jobs würden direkt und indirekt an der Zukunft der Telekom Austria hängen, gab er zu bedenken. "Weitere Privatisierungen brauchen wir nicht. Und wir brauchen auch keine Politik, die nur kurzfristige Gläubigerinteressen verfolgt", ergänzte er.

Sanierung auf Mitarbeiter-Kosten
Rund 5.500 Mitarbeiter der teilstaatlichen Telekom Austria (TA) haben sich am Donnerstag Vormittag bundesweit zu Betriebsversammlungen getroffen um gegen einen angedachten Personalabbau und die Ausgliederung von rund 2.000 Beamten in eine Arbeitsagentur der Staatsholding ÖIAG zu protestieren. Auf Transparenten war zu lesen: "Vorstandsgehälter saniert, Mitarbeiter planiert" und "Belegschaft im Fadenkreuz". In Anspielung auf die geplante ÖIAG-Arbeitsagentur hieß es: "Arbeit statt Pool". Unter den anwesenden Telekom-Beschäftigten war die Rede von einer "Beamtenhatz"und davon, dass es dem Management nur um die Aktionäre und ihre Erfolgsprämien gehe. "Die sanieren sich auf unsere Kosten", so eine Mitarbeiterin.

2.100 Mitarbeiter sollen ausgelagert werden
Wie berichtet will die Staatsholding ÖIAG mit kräftiger Unterstützung von Telekom Austria-Chef Boris Nemsic rund 2.100 Mitarbeiter der schwächelnden Festnetzsparte in die ÖIAG auslagern. Diese Mitarbeiter sind beamtet, können also nicht gekündigt und nur bedingt versetzt werden. Weiters soll es Überlegungen geben, 3.000 Postler ebenfalls in die Arbeitsagentur abzuschieben. Die Beamten in der Agentur sollen an andere Unternehmen vermietet werden, geht das nicht, müssen sie Daumen drehen. Von der ÖVP wurde bisher Zustimmung zu der Agentur signalisiert, während sich die SPÖ klar dagegen ausspricht.




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