24. Oktober 2007 18:54

8 Milliarden Dollar 

Mega-Verlust bei Merrill Lynch

Die US-Investmentbank Merill Lynch wird Opfer der Kreditkrise. Erstmals seit sechs Jahren rutscht das Unternehmen in die Verlustzone.

Mega-Verlust bei Merrill Lynch
© AP

Die Krise am US-Hypothekenmarkt hat die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch erstmals seit sechs Jahren tief in die Verlustzone gerissen. Das Institut musste allein im dritten Quartal auf Wertpapiere aus dem US-Markt für schwach besicherte Hypothekenkredite acht Mrd. Dollar (5,62 Mrd. Euro) abschreiben. Ratingagenturen stellten daraufhin die Kreditwürdigkeit des weltgrößten Brokerhauses in Frage und senkten ihre Bonitätsnoten.

Investoren straften das ab: In New York und Frankfurt rutschen die Börsen ins Minus, auch andere europäische Börsen wurden belastet. Merrill-Aktien verloren in den ersten Handelsstunden der New Yorker Börse fast sechs Prozent auf 63,40 Dollar und auch deutsche sämtliche Finanztitel brachen erneut ein.

Unter dem Strich verzeichnete die Bank von Juli bis September einen Verlust von 2,3 Mrd. Dollar nach einem Gewinn von drei Mrd. Dollar vor Jahresfrist, wie Merrill Lynch am Mittwoch in New York mitteilte.

Bankchef Stan O'Neal räumte Fehler ein. Das Institut habe sich zu stark am US-Markt für bonitätsschwache Anleihen ("Subprime") engagiert. "Ich bin für die Entwicklung der Bank verantwortlich und mein Job, unser Job, der Job des Managementteams ist jetzt herauszufinden, was falsch gelaufen ist", sagte er. Eine Entspannung an den Finanzmärkten ist seeiner Ansicht nach aber noch lange nicht in Sicht. "Wir gehen davon aus, dass die Marktbedingungen für den US-Subprime-Markt weiterhin unsicher bleiben", sagte O'Neal. "Aber wir werden alles tun, um die Folgen für uns in den Griff zu bekommen."

Anfang Oktober hatte Merrill Wertberichtigungen von 4,5 Mrd. Dollar erwartet. Angesichts der Schwierigkeiten an den weltweiten Kreditmärkten habe Merrill die Subprime-Papiere aber konservativer bewertet, was zu fast doppelt so hohen Abschreibungen geführt habe, sagte O'Neal.

Börsianer waren geschockt. "Das ist das reinstes Blutbad", sagte Analyst Bill Fitzpatrick von JohnsonFamily Funds. Die Quartalszahlen seien ein sehr schlechtes Zeugnis für das Risikomanagement der US-Bank. "Ich bin mir sicher, dass weitere Köpfe rollen werden", fügte er hinzu. Im Sommer hatte das größte US-Brokerhaus bereits zwei Top-Manager entlassen.

Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch senkten eine der wichtigsten Bonitätsnoten um eine Stufe auf "A+" von "AA-". Der Ausblick für die Ratings bleibe negativ, was eine weitere Absenkung in den kommenden Monaten wahrscheinlich macht.

Merrill Lynch ist die einzige große, börsennotierte US-Bank, die im dritten Quartal wegen der US-Hypothekenkrise einen Verlust eingefahren hat. Die Abschreibungen waren mehr als doppelt so hoch wie die der Wettbewerber Goldman Sachs, Bear Stearns, Morgan Stanley und Lehman Brothers zusammen.

Zuwächse verbuchte Merrill Lynch im vergangenen Quartal dagegen im Vermögensmanagement und im Investmentbanking. Bei der Beratung von Unternehmen bei Übernahmen und Fusionen steigerte Merrill die Erträge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast ein Viertel auf eine Milliarde Dollar. Im Vermögensmanagement legten die Erträge um 29 Prozent auf 3,5 Mrd. Dollar zu. Dazu habe auch der im vergangenen Jahr übernommene Vermögensverwalter BlackRock beigetragen.




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