29. September 2009 13:52

10 Prozent 

Mehr Firmenpleiten in Österreich

Die Wirtschaftskrise fordert weiterhin ihren Tribut.

Mehr Firmenpleiten in Österreich
© oe24.at- Grafik

Die Wirtschaftskrise fordert von Unternehmen und Privatpersonen nach wie vor ihren Tribut: Die Firmenpleiten sind in Österreich in den ersten 9 Monaten um 10,4 Prozent auf 5.190 Fälle angestiegen, die Zahl der Privatkonkurse hat sich um 7,9 Prozent auf 6.880 Fälle erhöht. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2009 lässt sich laut dem Insolvenz-Spezialisten des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, aber eine Abschwächung des Zuwachses erkennen, der befürchtete "Insolvenz-Tsunami" sei ausgeblieben.

Jobverluste
Bei den Privatpleiten sei das Wachstum geringer ausgefallen als erwartet und "definitiv" geringer als in den vergangenen Jahren. Bis jetzt sei die Krise am heimischen Arbeitsmarkt aber noch nicht voll angekommen. Sollte der Aufschwung nicht schon praktisch vor der Tür stehen, sei in den nächsten Monaten mit umfangreicheren Jobverlusten zu rechnen, wodurch auch das Bedienen der Schulden schwieriger wird. Für das Gesamtjahr 2009 rechnet Kantner mit einem Plus von 10 Prozent auf rund 10.000 Fälle. Bei den Unternehmensinsolvenzen erwartet er einen Anstieg um 12 bis 15 Prozent.

Im Zeitraum von Jänner bis September haben die insolventen Firmen laut KSV-Schätzung Verbindlichkeiten in der Höhe von 2,8 Mrd. Euro angehäuft, um 40 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2008. Von den Pleiten waren 21.300 Dienstnehmer betroffen, das ist ein Plus von 42 Prozent oder 6.300 Personen. Die Passiva bei den Privatkonkursen stiegen um 11,6 Prozent auf 863 Mio. Euro.

Von den 5.190 Gesamtinsolvenzen entfielen 2.790 Fälle auf eröffnete Insolvenzen, um 16,5 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. 2.756 Fälle (+16,5 Prozent) waren Konkurse; die Zahl der Ausgleiche nahm von 28 auf 34 Fälle zu. Die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge stiegen um 4 Prozent auf 2.400 Fälle.

Größter Fall
Der größte Insolvenzfall, berechnet nach Höhe der Verbindlichkeiten, ist der Fall Marta Unternehmensberatung in Wien mit Passiva von 150 Mio. Euro. Gleich danach rangieren drei Holzsägewerke - Holzindustrie Theresia Häupl GmbH, Holzindustrie Leitinger Ges.m.b.H. und Holzindustrie Preding Ges.m.b.H. - mit zusammen Verbindlichkeiten von rund 180 Mio. Euro. Zwei weitere Großinsolvenzen betreffen die Transportbranche (Rumplmayr/Interliner), die von der Krise rasch und sehr direkt getroffen wurde.

Branchen
Nach Branchen hat es die Bereiche Maschinen/Metall (+50 Prozent), Chemie/Pharma/Grundstoffe (+43 Prozent), Holz/Möbel (+24 Prozent), Glas/Keramik (+37 Prozent) sowie Papier/Druck (+49 Prozent) am stärksten getroffen. Die sonst sehr konjunktursensitive Bauwirtschaft hingegen weist einen deutlich unterdurchschnittlichen Zuwachs von nur 5 Prozent auf. Die Probleme werden dort voraussichtlich verspätet ankommen, oder - je nach politischen Maßnahmen - gar nicht, glaubt Kantner. Auch das Gastgewerbe habe mit 8 Prozent mehr Insolvenzen einen unterdurchschnittlichen Zuwachs verzeichnet.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |