11. Jänner 2008 14:36

US-Kreditkrise 

Merrill Lynch fährt Milliarden-Verlust ein

Die US-Kreditkrise weitet sich aus: Die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch muss etwa 15 Milliarden

Merrill Lynch fährt Milliarden-Verlust ein
© APA

Die US-Investmentbank Merrill Lynch muss einem Zeitungsbericht zufolge wegen der Probleme auf dem verlustreichen US-Hypothekenmarkt weit mehr Milliarden abschreiben als bisher angenommen: Die Belastungen summierten sich auf etwa 15 Mrd. Dollar (10,1 Mrd. Euro), berichtete die "New York Times" im Internet am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Keine Stellungnahme
Ein Merrill-Lynch-Sprecher in Tokio lehnte eine Stellungnahme ab und verwies auf die Zentrale in den USA. Die Papiere der Bank tendierten vorbörslich 2,5 Prozent im Minus bei 50,69 Dollar.

Merrill verhandelt laut Bericht nun mit Investoren aus den USA, Asien und dem Nahen Osten, um in den kommenden Tagen etwa 4 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital zu erhalten. Unter den Interessenten seien auch US-Beteiligungsgesellschaften.

Die Bank werde die Abschreibungen wahrscheinlich kommende Woche (Donnerstag) bekanntgeben, wenn sie ihre neuen Geschäftszahlen vorlegt, hieß es in dem Bericht.

Gigantische Verluste
Etliche große US-Institute sind im Zuge der Krise am Hypotheken-und Immobilienmarkt ins Straucheln geraten und kämpfen mit gigantischen Verlusten. Ein Weg aus der Krise ist für viele, sich frisches Kapital zu besorgen. Merrill Lynch hatte sich schon im Dezember bis zu 7,5 Milliarden Dollar gesichert. Dazu stiegen bei dem Institut ein singapurischer Staatsfonds und eine weitere Fondsgesellschaft ein.

Zuletzt gaben Kreditkartenunternehmen Gewinnwarnungen heraus, weil auch ihre Geschäfte wegen der Immobilienkrise schlechter laufen. Das ganze Ausmaß der Probleme wird wohl erst dann deutlich, wenn die Finanzinstitute ihre Zahlen für das Schlussquartal 2007 vorgelegt haben. Bis Ende Jaänner stehen die Ergebnisse von Citigroup, Bank of America oder JPMorgan an.

Die Bank hatte bereits im dritten Quartal rund 8 Mrd. Dollar an Wertverlusten einstecken müssen und tiefrote Zahlen geschrieben - allerdings hatte die Bank schon damals weitere Milliardenabschreibungen im nicht ausgeschlossen.

Analysten hatten zuletzt mit zusätzlichen Belastungen von 12 Mrd. Dollar gerechnet, nun melden Medien Abschreibungserfordernisse von 15 Milliarden.

Der seit Dezember amtierende neue Chef John Thain baut die Bank derzeit um. Auch über Stellenstreichungen wird spekuliert.

Die Rekordverluste seien auch der Grund für die unter Hochdruck laufende Suche der Bank nach frischem Kapital von rund 4 Mrd. Dollar, berichtete die "New York Times" weiter.

Bereits Ende Dezember hatte sich Merrill Lynch eine dringend benötigte Kapitalspritze von mehr als 6 Mrd. Dollar durch den Einstieg zweier neuer Großaktionäre aus Singapur und den USA besorgt. Nun steht die Bank laut Berichten in Verhandlungen mit weiteren Geldgebern aus Asien, dem Nahen Osten und den Vereinigten Staaten.




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