10. November 2009 10:53

Rekord-Minus 

Milliardenverlust für Kärntner Hypo

Das Osteuropa-Geschäft ist zusammengebrochen - und beschert dem Institut rote Zahlen.

Milliardenverlust für Kärntner Hypo
© AP

Das Engagement der Kärntner Hypo Group Alpe Adria in Osteuropa reißt ein tiefes Loch in die eigene Bilanz und in jene der Mutter BayernLB. Die Kärntner Hypo erwartet heuer einen Jahresverlust von deutlich mehr als einer Milliarde Euro. "Bei insgesamt gestiegenen Erträgen im Zins- und Provisionsüberschuss führt die hohe Kreditrisikovorsorge im Segment 'Osteuropa' zu einem negativen operativen Ergebnis. Verantwortlich dafür ist der Ergebnisbeitrag der Hypo Group Alpe Adria", heißt es in der Mitteilung der BayernLB.

Neun Länder
Die Hypo Group Alpe Adria ist in neun Ländern in Ost- und Südosteuropa aktiv - von Ungarn über, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien, Bulgarien bis in die Ukraine. Die Kärntner kämpfen mit einer hohen Risikovorsorge für faule Kredite in Osteuropa. Die Gruppe hat sich auch auf das Leasing-Geschäft konzentriert und Tourismusprojekte an der Adria-Küste finanziert.

Bereits im ersten Halbjahr 2009 wurden 349 Mio. Euro Kreditvorsorge getroffen. Zurückzuführen war dies insbesondere auf hohe Vorsorgen im Leasingbereich in Kroatien, Ukraine und Bulgarien, wobei die letztgenannten zwei Länder unter der Wirtschaftskrise besonders leiden. Im Bankbereich waren von dieser negativen Entwicklung vor allem die Cross-Border-Finanzierungsportfolios, die von Österreich aus betrieben werden, betroffen.

Dass die Beteiligungen der Bank in Mittel- und Südosteuropa zu den Verlusten beitragen, scheint unbestritten. Das bestätigen oder konkrete Zahlen nennen will man seitens der Hypo allerdings nicht: "Die Asset Screenings sind noch nicht abgeschlossen", begründet eine Sprecherin. Die Zahlen sollen Ende des Jahres vorliegen.

Die Hypo Alpe Adria war bereits wegen Beteiligungen an Tourismus-Immobilien in die Schlagzeilen geraten. Im kroatischen Savudrija (in Istrien) hatte sie das Kempinski-Hotel mit mindestens 70 Mio. Euro kreditiert. Die Betreiber des Hotels gerieten allerdings in Zahlungsschwierigkeiten, und nun wolle die Bank das Hotel um 120 Mio. Euro verkaufen, berichtete das "WirtschaftsBlatt". Auch bei der kroatischen Baumarktkette Pevec, die inzwischen zahlungsunfähig ist, gehört die Hypo zu den Gläubigern.

Hotel in Portoroz macht Probleme
Probleme mit einem Hotel hat die Hypo auch in Slowenien, wie das "Handelsblatt" berichtete. Die Hypo Alpe Adria zählt zu den wichtigsten Gläubigerbanken des Mischkonzerns Istrabenz, dem sie für sein Luxushotel in der Küstenstadt Portoroz 40 Mio. Euro zur Verfügung gestellt hat.

Was bedeutet das für Investitionen in diesem Bereich? "Zurzeit durchlaufen die Beteiligungen der Hypo Alpe Adria einen Restrukturierungsprozess. Wir wollen uns künftig wieder mehr dem Kerngeschäft widmen und dieses sind die Banken", lautet die ausweichende Antwort der Hypo-Sprecherin.

Die Kärntner Hypo Group Alpe Adria (HGAA) hat ihren Stammsitz in Klagenfurt. Eigentümer sind zu 67,08 Prozent die BayernLB, zu 20,48 Prozent die Grawe-Gruppe, zu 12,42 Prozent die Kärntner Landesholding und zu 0,02 Prozent die Hypo Alpe-Adria Mitarbeiter Privatstiftung. Die Zahl der Mitarbeiter wird mit etwa 7.500 beziffert, jene der Kunden mit mehr als 1,3 Millionen.

Die ungarische MKB-Bank bereitet der Mutter BayernLB hingegen keine Sorgen: Die im Osteuropa-Segment enthaltene MKB erzielte in den ersten neun Monaten ein positives und gegenüber dem Vorjahr verbessertes operatives Ergebnis.




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