10. September 2007 21:13

Telekom Austria 

Nemsic angelt nach 2,7 Mio. Neukunden

Telekom bestätigt Übernahme-Verhandlungen in Weißrussland . Wegen der unsicheren politischen Lage in Weißrussland will die TA im ersten Schritt nur 70 Prozent von Velcom übernehmen.

Nemsic angelt nach 2,7 Mio. Neukunden
© (C) AP

Die Telekom Austria (TA) hat am Montag "eine mögliche Übernahme eines weißrussischen Unternehmens" bestätigt. Details gab es nicht. Doch wie ÖSTERREICH am Samstag exklusiv berichtete, handelt es sich dabei um die Firma Mobile Digital Communications (MDC) - bekannt unter dem Markennamen Velcom.

Die TA betonte lediglich, sie fühle sich der "in der Vergangenheit wiederholt unter Beweis gestellten Finanzdisziplin verpflichtet". TA-Boss Boris Nemsic will mit dieser Aussage Befürchtungen entgegentreten, dass die Telekom um jeden Preis eine schon überfällige Akquisition anstrebt.

Milliarden-Preis
Wie ÖSTERREICH erfuhr, geht es bei der geplanten Übernahme von Velcom um rund 1,8 Milliarden Dollar Kaufpreis (1,3 Milliarden Euro). Mit dem Sprung nach Weißrussland, das für die meisten westlichen Unternehmen noch ein weißer Fleck ist, will sich die Telekom Austria wieder einmal als Ost-Bote betätigen. Knapp 2,7 Millionen Kunden hat Velcom dort. Insgesamt käme A1 Mobilkom, die Handy-Tochter der TA, dann auf 13,7 Millionen Kunden. Velcom passt auch zur Strategie, immer weiter in den Osten vorzudringen.

Allerdings ist Weißrussland eine Diktatur, wo auch erhebliche Risiken schlummern, was im Aufsichtsrat heftig diskutiert wird. Um mehr Sicherheit zu haben, werden im ersten Schritt nur 70 Prozent der Velcom für 1,3 Milliarden gekauft. "Je länger die alten Eigentümer noch drinnen sind, desto geringer ist das Risiko", sagt ein Insider.

Dass der Staat kürzlich die Velcom zur Gänze an die SB Telecom aus Zypern verkaufte, kommt Nemsic recht. So muss er kein direktes Geschäft mit dem weißrussischen Präsidenten Lukaschenko machen. Nemsic und seine Vorstandskollegen brauchen dringend einen Deal - auch wenn sie deswegen keinen überhöhten Preis zahlen wollen. Nach vergeblichen Versuchen in Serbien, Bosnien und Griechenland einen Mobilfunker zu übernehmen, fordert der Kapitalmarkt einen Erfolg.

Margen sinken
Zudem sitzt der TA-Konzern auf einer mit 2,8 Milliarden Euro prall gefüllten Kriegskasse. Zuletzt gab es schon Überlegungen, einen Teil dieses Geldes via Kapitalherabsetzung an die Aktionäre auszuschütten – wenn bis zur Hauptversammlung im Frühjahr 2008 keine Akquisition gelingt. Die Diskussion wäre hinfällig, wenn die Velcom-Sache klappt. Es gibt aber noch einen Grund für einen Einstieg in Weißrussland. Die Gewinne der TA sinken. Ein Markt mit hohen Margen wäre ein Ausweg.

Andreas Lampl , ÖSTERREICH




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