06. Jänner 2009 13:20

U-Haft droht 

Neue Vorwürfe gegen Ex-Börsenguru Madoff

Dem Broker droht nun U-Haft, unterdessen wird Kritik an der US-Börsenaufsicht laut.

Neue Vorwürfe gegen Ex-Börsenguru Madoff
© EPA

Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte um den ehemaligen US-Broker Bernard Madoff hat der Chefprüfer der US-Börsenaufsicht SEC, David Kotz, eine schonungslose Untersuchung des Verhaltens der eigenen Behörde zugesagt. Die Ermittlungen seien im Gange, und er könne versprechen, dass sie unabhängig und so hart sein würden wie nötig, sagte der SEC-Generalinspekteur nach Medienberichten am Montag in einer Anhörung des Finanzausschusses des US-Abgeordnetenhauses.

Madoff droht U-Haft
Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte droht dem unter Hausarrest stehenden Broker Bernard Madoff womöglich doch die Untersuchungshaft. Der 70-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft die Kautionsauflagen gebrochen und versucht haben, Juwelen und anderen Besitz im Wert von einer Million Dollar beiseite zu schaffen. Der zuständige Richter in New York kündigte eine Entscheidung für Donnerstag an.

Kongress mit Betrugsskandal beschäftigt
Mit der Anhörung des Finanzausschusses war es das erste Mal, dass sich der Kongress mit dem Betrugsskandal beschäftigte. Im Mittelpunkt des Hearings stand die Frage, warum die SEC-Kontrolleure dem massiven Betrug trotz zahlreicher Warnzeichen nicht auf die Spur kamen. So hatte am Montag das "Wall Street Journal" berichtet, dass die SEC und andere Behörden die Geschäfte Madoffs in den vergangenen 16 Jahren mindestens achtmal unter die Lupe genommen haben. Dennoch flog das mutmaßlich 50 Milliarden Dollar schwere "Schneeball-System" mit vielen Geschädigten auch in Europa nicht auf.

In der Anhörung am Montag kündigte Kotz an, die internen Untersuchungen seines Büros würden noch über den vom scheidenden SEC-Chef Christopher Cox erteilten Ermittlungsauftrag hinausgehen. Unter anderem will er nach eigenen Angaben auch die Kontakte zwischen Mitarbeitern der Börsenaufsicht und der Madoff-Familie genau unter die Lupe nehmen. Kotz argwöhnt, dass berufliche und "soziale" Beziehungen zu Madoff das Verhalten der Kontrolleure beeinflusst haben könnten.

Der 70-Jährige Madoff hatte seinen Opfern jahrzehntelang beständig hohe Gewinne versprochen, die er in Wirklichkeit gar nicht erzielt haben soll. An die Investoren schüttete er stattdessen Geld aus, das er von immer neuen Anlegern bekam - ein sogenanntes "Schneeball-System".

Kritik an US-Börsenaufsicht
Abgeordnete des US-Kongresses haben der amerikanischen Börsenaufsicht (SEC) in Zusammenhang mit dem milliardenschweren Betrugsskandal um den Investor Bernard Madoff Versagen vorgeworfen. Als Konsequenz forderten sie eine Neuordnung der Aufsichtsbehörde, die den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts entspreche.

"Unser Kontrollsystem hat offenkundig jämmerlich versagt, und wir müssen es jetzt umbauen", sagte der Abgeordnete Paul Kanjorski von den Demokraten am Dienstag bei einer Anhörung zum Madoff-Skandal in dem für Finanzdienstleistungen zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses. Sein republikanischer Kollege Spencer Bachus forderte ebenfalls eine Umstrukturierung der Börsenaufsicht.




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