23. April 2008 11:02

Zocker-Palast 

Novomatic will neues Casino im Wiener Prater bauen

Geht es nach dem Glücksspielkonzern Novomatic, soll im Wiener Prater bald ein neues Riesen-Casino stehen. Die Wiener Grünen fordern ein "Nein".

Novomatic will neues Casino im Wiener Prater bauen
© Novomatic

Die geplante Spielhalle soll rund 600 Unterhaltungsspiel- und Münzgewinnapparate beherbergen. Damit sei der Neubau doppelt so groß wie das "Casino Admiral Prater", das 2005 als größter Zocker-Palast Europas errichtet wurde und ebenfalls der Novomatic-Gruppe gehört.

Casino gegenüber
Als Standort für die neue Spielhalle wird das Areal gegenüber des bereits bestehenden Casinos kolportiert. In einem vom "Kurier" zitierten Schreiben ist von einem "Ansuchen um Eignungsfeststellung der Parzellen 27A, 27B, 30, 31 und 33A, 33B im Wiener Volksprater für die Errichtung einer Spielhalle 'Casino Prater'" die Rede. Dieses sei bereits Anfang März bei der für Gewerbeangelegenheiten zuständigen Magistratsabteilung 36 eingelangt.

"Es gibt ein Ansuchen"
Eine Sprecherin von Umweltstadträtin Ulli Sima (S) - zuständig für die MA 36 - bestätigt die Anfrage von Novomatic in der Größenordnung von 600 Spielautomaten: "Es gibt ein Ansuchen."

Glücksspiel-Konzessionen
Im Büro der für den Prater zuständigen Stadträtin Grete Laska (S) unterstreicht man, noch keine Details zu dem Vorhaben zu kennen. Das kolportierte Projekt würde allerdings dem von der Stadt finanzierten Prater-Masterplan Emanuel Mongons entsprechen, wonach Glücksspiel vom Zentrum des Wurstelpraters an dessen Rand rücken soll. Jedenfalls gebe es eine Anzahl bewilligter Glücksspiel-Konzessionen für das Areal, die noch nicht ausgeschöpft sei, so eine Sprecherin.

Zustimmung und Kritik von Wiener Opposition
Die Oppositionsparteien im Wiener Rathaus reagieren gespalten auf die publik gewordenen Pläne des Glücksspielkonzerns Novomatic. Während die FPÖ das Vorhaben unterstützt, kommt von den Grünen ein "klares Nein": Trotz hoher Verschuldungen und einem Anstieg der Spielsucht werde in Wien das Glücksspiel nicht zurückgedrängt, sondern noch ausgebaut, so der nicht amtsführende Stadtrat David Ellensohn in einer Aussendung am Mittwoch.

"Die Achse zwischen Stadt Wien und dem Glücksspielkonzern Novomatic, früher vertreten durch dessen ehemaliges Vorstandsmitglied und VP-Gemeinderat und nunmehrigen Bundesminister Gio Hahn, scheint immer noch gut zu funktionieren", mutmaßte der Grüne. Das sogenannte kleine Glücksspiel sei für die Stadt ein einträgliches Geschäft, da sie für jeden Automaten eine monatliche Abgabe von 1.407 Euro kassiere. Ellensohns Vorwurf: Obwohl die wissenschaftlichen Befunde über die teils dramatischen Auswirkungen des kleinen Glücksspiels bekannt seien, "investiert die Stadt bis dato keinen einzigen Cent in Prävention und die Therapie von spielsüchtigen Menschen".

FPÖ steht neuem Casino positiv gegenüber
Deutlich positiver stehen die Freiheitlichen zur neuen Spielhalle, die insgesamt 600 Automaten fassen soll: Man begrüße die geplante Errichtung, da im Prater als "Vergnügungsort" auch Platz für Spiel und Spaß sein müsse. FP-Gemeinderat David Lasar sprach in einer Aussendung allerdings von einem "Wildwuchs an Spielcasinos in vielen Wiener Straßen" und forderte, dass das Glücksspiel in vernünftige und überschaubare Bahnen gelenkt werden müsse. Ein großes Casino sei besser geeignet, die Jugendschutzbestimmungen einzuhalten als ein anonymes Straßenlokal.




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