29. April 2009 12:03

Jahr 2008 

ÖBB schreibt 969 Mio. Euro Verlust

Die Wirtschaftskrise, aber auch Spekulationsgeschäfte der Vergangenheit färbten die Bilanz der ÖBB 2008 tiefrot. Die Tarife werden um fünf Prozent erhöht - die ÖBB-Vorteilskarten sollen verschont bleiben.

ÖBB schreibt 969 Mio. Euro Verlust

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben 2008 einen Verlust von fast einer Milliarde Euro eingefahren: Zwar waren rund 920 Mio. Euro auf krisenbedingte Sonderabschreibungen und spezielle Rückstellungen für Spekulationsgeschäfte zurückzuführen, doch auch ohne diese Einmaleffekte drehte das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) auf minus 52 Mio. Euro ins Minus (2007: +44 Mio. Euro), teilte der Bahnkonzern am Mittwoch in Wien bei der Jahresbilanzpressekonferenz mit. Für das laufende Jahr kündigte die dreiköpfige ÖBB-Führung weitere Einsparungen und Tariferhöhungen ab Jahresmitte an.

Fast 1 Mrd. Euro Minus
Konkret sank das operative Ergebnis des Bahnkonzerns mit 51 Mio. Euro auf etwa ein Zehntel des Vorjahreswerts. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) sackte von 44,4 auf minus 969 Mio. Euro ab. Grund dafür waren einerseits zusätzliche Abschreibungen von 376 Mio. Euro auf Loks und Waggons, die laut internationalen Bilanzierungsregeln (IFRS) vorgeschrieben sind, wenn Investitionen nicht mehr aus dem erwarteten Cash-Flow verdient werden können.

MAV Cargo Kauf
Das Finanzergebnis verschlechterte sich 2008 auf minus 1,02 Mrd. Euro von minus 469,2 Mio. Euro 2007. Darin enthalten sind Risikovorsorgen für die auf Beratung der Deutschen Bank angeschafften Spekulationspapiere (Collateralized Debt Obligations, CDO) und sogenannte Cross Border Leasinggeschäfte im Ausmaß von rund 479 Mio. Euro. Auf das Ergebnis drückte allerdings auch der im Vorjahr abgeschlossene Kauf der ungarischen MAV Cargo. Als Folge der Krise und Forint-Abwertungen musste der Firmenwert um 64 Mio. Euro auf 340 Mio. Euro abgeschreiben werden.

150 Mio. Euro mehr für Personal
Dass das Betriebsergebnis auch ohne Sondereffekte negativ ausfiel erklärte die ÖBB-Führung mit den hohen Energie- und Materialkosten in der ersten Jahreshälfte, aber auch den - trotz der um 600 auf 42.265 gesunkenen Mitarbeiterzahl - um fast 150 Mio. Euro höheren Personalkosten. ÖBB-Vorstandsvorsitzender Peter Klugar erklärte den Kostenanstieg mit der Altersstruktur und den 15-prozentigen Einbrüchen im 4. Quartal im Güterverkehr im Zuge der Krise.

5% Tariferhöhung
Für 2009 kündigte der heimische Bahnkonzern eine Tariferhöhung ab dem 1. Juli von im Schnitt 4,9 Prozent sowie höhere Einsparungen an. Nachdem damit zu rechnen sei, dass der Rückgang im Güterverkehr von derzeit 20 Prozent auch im Gesamtjahr ähnlich hoch bleibe, müssten rund 200 Mio. Euro eingespart werden, sagte Klugar, ohne weitere Details zu nennen.

200 Mio. Einsparungen
Bisher war von einem Sparpaket von 100 Mio. Euro die Rede, das zum Teil bereits in Umsetzung ist. Die anvisierten Einsparungen durch die Zusammenlegung der beiden Infrastrukturgesellschaften Bau und Betrieb von 20 bis 25 Mio. Euro werden frühestens 2009 schlagend, weil dafür das Eisenbahnstrukturgesetz geändert werden muss.

ÖBB-Vorteilskarten verschont
ÖBB-Vorsteilskarten werden laut Vorstand Gustav Poschalko von den Preiserhöhungen verschont bleiben; davon sollten Stammkunden profitieren. Der Preis für eine Fahrt Wien-Salzburg in der zweiten Klasse (ohne Ermäßigung) wird beispielsweise von 44,2 auf 47,7 Euro steigen. Dies sei die erste Erhöhung seit 2007, sagte Poschalko. Er räumte aber ein, dass der Bund der Bahn die fehlende Inflationsanpassung 2008 teilweise ausgeglichen hatte.

460 Mio. Fahrgäste
Verkehrsmäßig ist 2008 für die ÖBB gar nicht so schlecht gelaufen. Die Zahl der Fahrgäste stieg - nicht zuletzt wegen der Fußball-Europameisterschaft um 2 Prozent auf 456 Millionen. Im Güterverkehr wurde die angepeilte 100 Mio. Tonnengrenze knapp verfehlt, weil die Wirtschaftskrise im letzten Quartal die Nachfrage bereits um rund 15 Prozent einbrechen ließ. Die Tonnage stieg dennoch um 1,5 Prozent auf 98,5 Mio. Tonnen.

5 Mrd. Umsatz
Der Umsatz der Bahn stieg 2008 um 3,2 Prozent auf 5,03 Mrd. Euro. Darin enthalten sind allerdings traditionell die Zuzahlungen des Bundes für den Betrieb und die Instandhaltung der Schieneninfrastruktur von rund 1,015 Mrd. Euro sowie 612 Mio. Euro für sogenannte gemeinwirtschaftliche Leistungen wie Schülerfreifahrt oder andere subventionierte Dienste. Mit 137 Mio. Euro deutlich höher als 2007 (65 Mio. Euro) fielen auch die Abgeltungen des Bundes für die Investitionen aus. Die Gesamterträge der Bahn stiegen im Vorjahr um rund 5 Prozent auf 5,81 Mrd. Euro.

2008 wurden 2,7 Mrd. Euro in die Bahn-Infrastruktur investiert, 2009 sollen es knapp zwei Mrd. sein. Die Verbindlichkeiten der Bahn stiegen im Vorjahr um rund ein Drittel auf 14,12 Mrd. Euro - 10 bis 11 Mrd. davon für Infrastruktur. Heuer sollen sich die Schulden neuerlich um rund zwei Mrd. erhöhen.

Boni bleiben
Die Bonuszahlungen von bis zu 4 Mio. Euro - trotz des Verlusts von knapp einer Milliarde Euro im Betriebsergebnis 2008 - verteidigt Klugar. Es gehe dabei nicht nur um die Konzernbilanz, sondern um ein "gesamtes System". Über die Bonuszahlungen für die rund 230 Mitarbeiter wird der Aufsichtsrat in den nächsten Wochen entscheiden.




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