30. August 2007 20:42

Schlüsselkräfte 

ÖGB für moderate Arbeitsmarktöffnung für Ausländer

Die Front für die Verlängerung der Übergangsfristen ausländischer Arbeitskräfte über 2009 hinaus scheint zu bröckeln.

ÖGB für moderate Arbeitsmarktöffnung für Ausländer
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Zumindest eine "moderate und sektorale Öffnung" für die neuen EU-Länder scheint nun auch für den Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl (S) vorstellbar. Der knüpft diese aber an Bedingungen. Sowohl Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) - er sieht eine "Eisschmelze" anbrechen - als auch die Hoteliervereinigung (ÖHV) begrüßen das Einlenken der Gewerkschaften.

Sektorale Öffnung für Schlüsselkräfte
Für den Wirtschaftsminister ist eine Öffnung für Berufe, "die dringend gebraucht werden" wichtig. Schließlich hätte man mit der sektoralen Öffnung für Pfleger, Schlüsselkräfte, Forscher und deren Familien sowie für Dreher, Schweißer und Fräser "gute Erfahrungen gemacht", so Bartenstein laut heutiger Aussendung. Auf Basis der Daten des Arbeitsmarktservice (AMS) soll nun für 2008 eine neue Fachkräfte-Verordnung erlassen werden.

Es werde "eine maßvolle Ausweitung geben", so Bartenstein, "sowohl in Hinblick auf die Zahl der Personen sowie jene der Berufsbilder". Bei Branchen, die von einer Öffnung des Arbeitsmarktes negativ betroffen sein könnten - wie es etwa für die Tourismus- und Freizeitindustrie befürchtet wird - will er sich um längeren Schutz bemühen.

Gewerkschaft
Haberzettl will die Bereitschaft der Gewerkschaften weiter daran knüpfen, "ob Wirtschaft und Politik auch bis dahin ihre Hausaufgaben erledigen", erklärte er heute in einer Pressemitteilung. Dazu gehöre auch die Intensivierung der Lehrlingsausbildung. "Wir werden uns genau anschauen, in welchen Branchen eine Öffnung des Arbeitsmarktes ab 2009 für Beschäftigte aus den neuen EU-Beitrittsländern vorstellbar ist."

Österreichische Hoteliervereinigung
Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) sieht Licht am Ende des Tunnels. Für sie ist die "Verlängerung der Übergangsfristen nicht mehr argumentierbar". "Das Domino der Realitätsverweigerer beginnt endlich zu fallen", teilte die ÖHV-Führungsspitze, Peter Peer und Sepp Schellhorn, am Donnerstag in einer Aussendung mit. Angesichts der Situation am touristischen Arbeitsmarkt sei eine rasche Freizügigkeit notwendig. Neben Österreich heiße es nur mehr in Deutschland und Dänemark "Grenzen zu".

Für die ÖHV ist jedenfalls klar, dass bei einer sektoralen Öffnung der Tourismus dazugehören muss. Auch, dass Haberzettl "Asylwerber bedarfsorientiert in den Arbeitsmarkt integrieren will" mache Sinn, so Schellhorn.

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Wirtschaftsforscherin Gudrun Biffl schlug am Rande des Europäischen Forums Alpbach Alarm: Die Immigration innerhalb Österreichs sei ungleich verteilt: Wien bekomme 40 Prozent der Zuwanderer, stelle jedoch nur 20 Prozent der Bevölkerung des Landes. Derzeit liege der Ausländeranteil in Österreich bei rund zehn Prozent, jener der Personen, die außerhalb Österreichs geboren seien, bei 14 Prozent oder 1.101.000 Personen. Bis 2015 sei mit einem Anstieg auf 16 bis 18 Prozent zu rechnen - ein Wert, der jenem Kanadas entspreche, sagte Biffl.




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