01. November 2009 15:18

Intransparenz 

Österreich Paradies für "Schattenfinanz"

Österreich reiht sich in die Liste der intransparentesten Finanzplätze der Welt ein.

Österreich Paradies für "Schattenfinanz"
© dpa/A3602 Frank Rumpenhorst

Österreich zählt zu den am wenigsten transparenten Finanzplätzen der Welt. Das zeigt der neue Schattenfinanzindex (FSI) den das seit Jahren gegen Steuerflucht kämpfende Tax Justice Network (TJN) errechnet und an diesem Wochenende erstmals vorgestellt hat. Österreich nimmt im Ranking den 12. Rang ein, zwischen den Steueroasen Jersey (Platz 11) und Guernsey (Platz 13). An der Spitze steht der US-Staat Delaware.

Intransparenz
Im Gegensatz zu den Kriterien für die schwarzen/grauen/weißen Steueroasen-Listen der OECD stellt der Index nicht nur auf Bankgeheimnis, also Informationsaustausch auf Anfrage und Steuerabkommen ab, sondern untersucht, welche Finanzplätze weltweit am meisten zu Intransparenz und Verdunkelung im internationalen Finanzsystem beitragen.

Korruption
"Der FSI stellt erstmals eine internationale Rangliste der Finanzplätze zusammen, die für die "Angebotsseite" der Korruption verantwortlich sind, betont TJN. Man hoffe, dass das neue Ranking der Steueroasen nach Bedeutung und Intransparenz einen "Scham-Effekt" haben werde, weil Finanzzentren vor allem von ihrem Ruf leben.

3 EU-Staaten in Top 10
An der Spitze der "Verdunkelungsoasen" oder "Schattenfinanzplätze" - das Netzwerk Steuergerechtigkeit zieht diesen Begriff der üblichen Bezeichnung Steueroasen vor - steht der US-Bundesstaat Delaware, gefolgt von Luxemburg und der Schweiz. Unter den Top 10 des Financial Secrecy Index (FSI) finden sich mit der City of London, Irland und Belgien immerhin drei EU-Staaten, aber auch die Cayman Islands, Bermuda und die beiden asiatischen Finanzmetropolen Singapur und Hongkong.

12 Kriterien
Der FSI basiert auf 12 Kriterien wie der Existenz eines gesetzlichen Bankgeheimnisses oder eines öffentlichen Registers für Trusts und Stiftungen, aber auch in wie weit Details über wirtschaftliches Eigentum eines Unternehmens oder deren Jahresabschlüsse weltweit für weniger als 10 Dollar (6,76 Euro) verfügbar sind. Untersucht wurde auch, ob ein Land weniger als 60 bilaterale Steuerabkommen hat, sich am automatischen Informationsaustausch nach der europäischen Zinssteuerrichtlinie beteiligt oder die Empfehlungen der Geldwäscherichtlinie zumindest zu 90 Prozent umgesetzt wurden. Diese Intransparenzwerte wurden dann mit der globalen Bedeutung, also Größe, eines Finanzplatzes gewichtet. Insgesamt wurden 60 Staaten oder Territorien untersucht.

Schattenfinanzplatz
Österreich erfüllt laut TJN fast alle Kriterien, um als Schattenfinanzplatz zu gelten, dessen Gesetze und Regulierungen vor allem dazu dienen, Menschen Vorteile zu verschaffen, die nicht im Land selbst leben. Vor allem das heimische Stiftungsrecht und der geringe Zugang zu Bankdaten ist TJN ein Dorn im Auge.




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