13. August 2008 13:36

Bei "Kyoto" hinten 

Österreich bei Umweltschutz EU-Spitze

In puncto Umweltschutz gewinnt Österreich bei einem Kräftemessen von 19 EU-Staaten die Goldmedaille.

Österreich bei Umweltschutz EU-Spitze
© APA/Gindl

Den schlechtesten Platz fährt die Alpenrepublik aber bei der Erfüllung des Kyoto-Ziels ein. Auch bei den Stickstoffemissionen hinkt Österreich hinterher. Hinter Österreich folgen Schweden und Deutschland im Umweltschutz-Ranking.

Zu hohe Ziele?
"Österreich nimmt meist sehr ambitionierte Ziele auf sich, während andere Länder eher komfortabel erreichbare Vorgaben wählen. Das zieht uns im Ranking nach unten", kommentierte der Umwelt- und Energieexperte der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Stephan Schwarzer, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz das Ergebnis von vier internationalen Studien, auf deren Basis ein Umwelt-Ranking erstellt wurde. Umso bemerkenswerter sei daher, dass die Spitzenplatzierungen über die Gesamtpalette immer noch ausreichen, um Österreich als Gesamtsieger auszuweisen.

In der Summierung aller Ranglisten der vier Studien schneidet Österreich vor allem durch den hohen Anteil der erneuerbaren Energieträger und der guten Ressourceneffizienz (Wasser, Energie, Abfallrecycling), durch das gute Umweltmanagement der Betriebe und dank der weit verbreiteten ökologischen Landwirtschaft am besten ab.

Beim Vergleich der "ökologischen Fußabdrücke" schneidet Österreich als Industrieland naturgemäß weniger gut ab. Hier sind weniger wohlhabende Nationen vorne zu finden. Allerdings: Verglichen mit Ländern mit ähnlichem Bruttoinlandsprodukt ist Österreich den Angaben zufolge auch da gut positioniert. Mit dem "ökologischen Fußabdruck" wird versucht, den Naturverbrauch des Menschen anhand des Indikators der verbrauchten Fläche zu messen.

Aufholprozess
2006 war Schweden beim damals ersten "Super-Ranking" - basierend auf sieben unterschiedlichen Umweltvergleichen -, knapp vor Österreich Sieger. Erkennbar sei der Aufholprozess der zurückliegenden Länder, hieß es.

Immer besser gelinge es der EU-Umweltpolitik, die Nachzügler ans Mittelfeld heranzuführen und somit die europäische Gesamtperformance aufzupolieren. Das sei nicht nur wichtig für die Erhaltung und die Erholung der Naturressourcen in Österreich, sondern eröffne der österreichischen Umwelttechnik-Branche Export- und Wachstumschancen. Das beste neue Mitgliedsland, die Slowakei, habe sich bereits auf Platz vier vorgearbeitet.

Unerreichbares erreichen
Die große Herausforderung für Österreich bestehe nun darin, sich innerhalb von zwölf Jahren an jene Klima- und Energie-Ziele anzunähern, die aus heutiger Sicht unerreichbar erscheinen, so Schwarzer. Die größten Hindernisse sieht der Experte dabei in der kurzfristigen Ausrichtung der Politik auf Regierungszyklen und der fehlenden Koordination zwischen Politikbereichen. Daher sei es gerade im Klimaschutz erforderlich, "in Dekaden zu denken", betont Schwarzer.

Nach der Nationalratswahl sei ein bis 2020 und darüber hinaus angelegter energie- und klimapolitischer Aktionsplan zu erstellen, der sehr stark die Verbesserung der Energieeffizienz und die Technologieentwicklung auf allen Ebenen antreibe, schlägt Schwarzer vor.




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