20. Februar 2009 21:11

Kommt Ost-Pleite? 

Österreich blutet wegen Banken-Talfahrt

Investoren verlangen von der Republik Österreich wegen der starken Ost-Verflechtungen bereits höhere Zinsen als von Spanien.

Österreich blutet wegen Banken-Talfahrt

Österreich versinkt immer stärker im Trudel der Ost-Krise. Internationale Investoren schätzen die finanzielle Stabilität der Republik Österreich inzwischen sogar geringer ein, als jene Spaniens. Selbst eine Staats-Pleite wird in internationalen Finanzkreisen nicht mehr ausgeschlossen.

Die Skepsis gegenüber Österreich zeigt sich bei Zinsen von Staatsanleihen. Österreich muss derzeit bessere Konditionen als Spanien bieten, um für seine Staatspapiere international Käufer zu finden. Eine Situation, die noch vor wenigen Monaten komplett undenkbar war. Österreich galt in finanzieller Hinsicht als eines der sichersten Länder der Welt.

Horror-Szenario
Die aktuelle Situation ist das Resultat der wirtschaftlichen Talfahrt in Zentral- und Osteuropa. Die österreichischen Banken – Raiffeisen International, Erste Group und Bank Austria – sind in der Region mit Krediten in Höhe von rund 230 Milliarden Euro engagiert. Fallen – wie derzeit von Investoren befürchtet – mehrere Länder um, müssen auch die Banken Milliarden in den Wind schreiben. Auch das Kreditrisiko wird in den Ost-Staaten immer größer. Und da keine der Banken von der Republik Österreich fallen gelassen wird, könnten sich für die Republik Kosten in zweistelliger Milliarden-Höhe ergeben.

Experten beruhigen
Die meisten Experten und die Regierung gehen zwar davon aus, dass dieser Fall nicht eintreten wird, für jede Menge Spekulationen sorgt die Ost-Lastigkeit Österreichs aber allemal. Zuletzt fanden sich die österreichischen Banken wegen ihres Ost-Engagements sogar auf der Titelseite des renommierten Wall Street Journal wieder. Die Manager sind freilich der Ansicht, dass die US-Zeitung und Kritiker des Ost-Engagements völlig falsch liegen. Die Situation werde verzerrt dargestellt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Ost-Motor wieder anspringt.

Im Ernstfall würde jedenfalls die Verschuldung Österreichs dramatisch steigen – am Ende stünde rein theoretisch der Staatsbankrott. Und wegen dieser Sorgen verlangt der Markt höhere Zinsen von der Republik Österreich. Konkret zahlt derzeit etwa Österreich um 1,33 Prozentpunkte mehr Zinsen als Deutschland, das als sicherstes Land Europas gilt. Im Vergleich zu Spanien liegt der Aufschlag bei 0,13 Prozentpunkten.

Moody’s: Top-Rating bleibt
Zuletzt wurde spekuliert, dass auch die Ratingagenturen (die die Ausfallrisiken einzelner Staaten bewerten) das bislang exzellente Rating Österreichs demnächst herabstufen. Inzwischen gibt es aber – zumindest vorläufig – Entwarnung. Österreichs höchste Bonitätseinstufung (Triple-A) ist nach Ansicht der Agentur Moody’s trotz der immensen Verflechtung des Landes mit Osteuropa nicht in Gefahr.

Börse auf Talfahrt
Ost-Schockwirkungen gab es freilich am Freitag erneut an der Wiener Börse. Erste und Raiffeisen International standen einmal mehr unter Druck, der gesamte Markt rutschte neuerlich kräftig nach unten – eine Besserung ist nicht in Sicht. Die beeindruckenden Zahlen: Gemessen am Kurs-Höchststand (siehe Grafik) war Raiffeisen International noch vor kurzer Zeit knapp 17 Milliarden Euro wert, jetzt sind es gerade einmal zwei Milliarden. Die Erste war einmal knapp 19 Milliarden Euro wert, heute 2,2 Milliarden.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |