30. Mai 2008 12:35

Lieferboykott 

Österreich droht Engpass bei Milchprodukten

In Deutschland liefert ein Großteil der bauern keine Milch mehr. Auch in Österreich droht ein Boykott. Deswegen drohen Lieferengpässe.

Österreich droht Engpass bei Milchprodukten
© Getty

Auch in Österreich könnte es ab kommender Woche zu Versorgungsengpässen bei Milchprodukten kommen. Die Initiatoren des Milch-Lieferboykottes in Österreich der IG Milch wollen erreichen, dass in der Alpenrepublik nur noch die Hälfte der gewohnten Menge an Milch in die Molkereien kommt. Die Versorgung mit Frischmilch dürfe aber nicht gefährdet werden, nannte der stellvertretende IG-Milch-Obmann Ernst Halbmayr am Freitag in Salzburg die Grenze.

Landwirte versammeln sich
Seit gestern gebe es in etlichen Gemeinden des Landes Versammlungen mit Milch erzeugenden Landwirten. In Michaelbeuern im Salzburger Flachgau etwa seien rund 350 bis 400 Bauern gekommen, sagte Engelbert Neubauer von IG-Milch Salzburg. Einstimmig habe man sich dazu entschlossen, ab sofort keine Milch mehr zu liefern. Zudem sei jeder Teilnehmer beauftragt worden, fünf Berufskollegen zum gleichen Schritt zu bewegen, sagte der Landwirt. Heute Abend werden bei einer Versammlung in Amstetten 1.000 Bauern erwartet. Laut Halbmayer haben viele Bauern bereits am Donnerstag nicht mehr geliefert.

Dem widerspricht die Berglandmilch, Österreichs größte Molkerei. Deren Angaben zufolge haben nur 20 von 11.000 Milchlieferanten keine Milch an die Molkerei abgegeben. Demnach fehlen 35.000 von 2,2 Mio. kg Milch für die Verarbeitung - also 1,5 Prozent, was auch an einem "schwachen Tag" vorkommen könnte, hieß es aus der Berglandmilch. Auch bei der NÖM und deren 4.000 Milchbauern gebe es keinen Boykott.

Boykott greift in Deutschland
Balthasar Brandlhofer, der bayerische Landesvorstand des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), sagte, er sei überrascht, wie gut der Boykott in Deutschland greife. Etwa 50 Prozent der Landwirte würden sich beteiligen. Selbst Bauern, die sich bei der Befragung noch gegen einen Streik ausgesprochen hätten, würden nun keine Milch mehr liefern. "Die Entwicklung überrascht uns."

Der deutsche Einzelhandel sieht trotz des andauernden Milch-Lieferboykotts vorerst keine Engpässe bei der Versorgung der Verbraucher. "Wir können völlige Entwarnung geben", erklärte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels am Freitag. Die Regale der Supermärkte und die Lager seien voll.

Sollte der derzeitige Kampf nicht zu einem höheren Milchpreis führen - die IG Milch strebt 50 Cent pro Kilo an -, würden viele Bauern aus der Milchproduktion aussteigen, denn Tausende würden derzeit schon darüber nachdenken, sagte Halbmayr. "Wenn das jetzt vergebens war, dann tue ich mir das keinen Tag länger an."

600 Millionen Liter pro Jahr in Österreich
Insgesamt werden in Österreich 600 Millionen Liter Milch pro Jahr produziert. Probleme würde die Molkerei aber erst nach einer Woche bis 10 Tagen bekommen, so Geislmayr. So könnten die Molkereien zum Beispiel die Käseproduktion für einige Zeit stark drosseln, damit die Trinkmilch-Versorgung gesichert bleibt. Laut AMA hat auch der Handel Lagerbestände für eine Woche.

Engpaässe nur bei europaweitem Boykott
Zu Engpässen für die Konsumenten kommt es nur, wenn sich der Boykott in ganz Europa ausweitet, sind sich Experten einig. Bei der Landwirtschaftskammer hält man einen Lieferstopp von der Hälfte aller Milchbauern, wie ihn die IG-Mich anstrebt, für unrealistisch. Der aktuelle Milchpreis von knapp 40 Cent je Kilo sei nicht so niedrig, dass er radikale Maßnahmen rechtfertigen würde.

1. Juni ist Weltmilchtag
Am 1. Juni wird traditionellerweise der Weltmilchtag begangen. 2007 wurden in Österreich mengen- wie wertmäßig wieder mehr Milch und Milchprodukte gekauft als im Jahr zuvor. Die Österreicher gaben dafür rund 1,4 Mrd. Euro aus. Die größte Gruppe innerhalb der gesamten Sparte der Molkereiprodukte (Mopro) ist der Käse. Die zweitgrößte stellt die Trinkmilch dar. Innerhalb dieses Segmentes bleibt die klassische Frischmilch führend, die ESL-Milch holt aber weiter auf, wie die aktuelle RollAMA-Statistik belegt. Mit der jüngsten Milch-Werbeaktion "Österreich sucht den Latte Star" will die AMA Marketing Milch als modernes Lebensmittel positionieren.




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