23. Juli 2009 06:58

VW schluckt Porsche 

Österreicher setzt sich durch

Nach einer 15-stündigen Marathonsitzung einigten sich die Familien Porsche und Piëch: VW übernimmt Porsche, der Porsche-Chef geht.

Österreicher setzt sich durch
© dpa

Der Machtkampf um Porsche ist entschieden: Der Österreicher Ferdinand Piëch hat sich im monatelangen Bieter- und Eigentümerstreit durchgesetzt, Volkswagen steigt bei Porsche ein. Das ist das Ergebnis einer 15-stündigen Marathonsitzung des Porsche-Aufsichtsrates in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag: Porsche wird als zehnte Marke in den neuen VW-Konzern integriert.

Das Protokoll der Nacht, in der ein Österreicher zum mächtigsten Auto-Manager der Welt wurde:

Mittwoch, 15 Uhr
Völlig überraschend tagt der Porsche-Aufsichtsrat schon am Mittwochnachmittag. Die zwölf Mitglieder treffen sich im Forschungs- und Entwicklungszentrum Weissach bei Stuttgart. Bei Veltins-Bier und Kartoffelsuppe kämpft Porsche-Chef Wendelin Wiedeking noch ein letztes Mal für einen eigenständigen Porsche-Konzern – und verliert.

00.47 Uhr
Der Aufsichtsrat trifft den ersten Beschluss: VW soll Porsche – nach den ursprünglichen Plänen von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch – zu 49,9 % übernehmen. Porsche hält zurzeit knapp 51 % an VW, nachdem sich der Sportwagenhersteller bei seinem VW-Übernahmeversuch mit rund 10 Mrd. Euro verschuldet hat.

Die hohen Schulden sollen jetzt laut dem aktuellen Beschluss des Aufsichtsrates – mit einer Kapitalerhöhung in Höhe von mindestens 5 Mrd. Euro – abgebaut werden.

02.39 Uhr
Der zweite Beschluss, der in dieser Nacht fällt: eine Beteiligung des Emirats Katar an VW. Katar solle vorerst über Aktienoptionen, die derzeit noch Porsche hält, 17 % an VW übernehmen. Katar bezahlt für die VW-Optionen von Porsche laut Aufsichtsratskreisen 5 Mrd. Euro.

Nach der Verschmelzung von Porsche mit VW soll der Anteil auf 19 % erhöht werden. Die Familien Porsche und Piëch halten dann unter 50 % an VW, das Land Niedersachsen knapp über 20 %, Katar 19 %, der Rest ist in Streubesitz. Katar hatte Wert darauf gelegt, sich an einem integrierten VW/Porsche-Konzern zu beteiligen.

06.00 Uhr
Am Ende der Sitzung fällt dann die schwerste Entscheidung: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter verlassen das Unternehmen mit sofortiger Wirkung, Wiedeking erhält 50 Millionen Euro Abfertigung und will die Hälfte davon in eine soziale Stiftung einbringen. Härter bekommt 12,5 Mio. Euro.

Am Nachmittag versammeln sich 5.000 Porsche-Mitarbeiter bei strömendem Regen vor dem Werk in Zuffenhausen. Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche verabschiedet sich unter Tränen von Wiedeking. „Ihr habt das nicht verdient“, ruft Wiedeking der Belegschaft zum Abschied zu – unter tosendem Applaus. Dann tritt er ab.




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