03. Oktober 2008 14:59

AUA-Privatisierung 

Ötsch: Verkaufstermin Oktober hält

Laut AUA-Vorstandschef Alfred Ötsch ist die Privatisierung der Airline gut unterwegs und soll Ende Oktober unter Dach und Fach sein.

Ötsch: Verkaufstermin Oktober hält
© Reuters

Laut Ötsch deutet alles darauf hin, dass dieser Zeitplan hält. Bestätigt hat Ötsch heute, Freitag, den Ausblick, wonach Austrian Airlines im laufenden Jahr 70 bis 90 Mio. Euro Verlust einfliegen wird.

"Streikdrohungen stören Privatisierungsprozess"
Die Gewerkschaften warnte er im aktuellen Kollektivvertrags-Konflikt davor, das Wort "Streik" inflationär im Mund zu führen. Er nehme ja nicht an, dass ein Wirbel inszeniert werde, um den Privatisierungsprozess zu stören, so Ötsch heute Mittag in einer Medien-Telefonkonferenz. (Lesen Sie hier mehr zu den Streikdrohungen der AUA-Gewerkschaft)

Auf eine Journalistenfrage, ob es stimme, dass nur noch zwei Bieter im Rennen seien, sagte Ötsch nur, dass er in dem Verkaufsverfahren gar nichts sagen dürfe. Nach der unverbindlichen Offertrunde waren wie berichtet drei Bieter - Lufthansa, Air France KLM und die russische S7 - im Rennen. Die verbindliche Angebotsrunde endet nach Investmentbankunterlagen am 21. bzw. 24. Oktober.

Durch den eskalierten KV-Krach mit der Belegschaftsvertretung und die neuen Streikdrohungen der Gewerkschaft sieht der Chef der börsenotierten Fluggesellschaft das Image der AUA im laufenden Verkaufsprozess und die Optik insgesamt nicht angekratzt. Bis auf einen Bewerber hätten die anderen AUA-Interessenten auch in ihren Ländern ihre Usancen. Die Bieter würden sich also eher "wundern", würde das AUA-Management jetzt "überzogenen Forderungen" leicht nachgeben und damit "die Zukunft belasten".

Notfallplan in der Schublade
"Ein Streik steht nicht im Raum", befand Ötsch auf Nachfragen, ob die Airline einen Notfallplan für den Streik-Fall habe. "Wir sind sicher immer auf alles vorbereitet", aber es gebe keinen Grund. Es gehe in der Diskussion um ja nicht um "große Themen". Da gehe es nicht um 3.000 Arbeitsplätze wie in Italien oder 25-prozentige Lohnkürzungen, "sondern um eine Inflationsabgeltung".

Ötsch bestreitet, dass die KV-Runde fürs Bodenpersonal abgebrochen oder geplatzt ist. Er will trotz der aktuellen Differenzen bis "spätestens" 16. Oktober, dem nächsten Verhandlungstermin, fertig sein mit der KV-Runde für die rund 3.500 Beschäftigten im kaufmännisch-technischen Bereich. Damit sei man derzeit für den KV-Stichtag 1. November noch gut in der Zeit.

Das Angebot des Vorstands, das dieser heute als "fair" verteidigte, tritt laut Ötsch übrigens nur dann in Kraft, wenn die Privatisierung wie geplant bis Ende Oktober unter Dach und Fach ist. Wenn nicht, braucht es die Verlängerung des Privatisierungsauftrages.

Platzt Privatisierung, kommen Nullrunden und Jobabbau
Bestätigt hat der AUA-Chef seine Angaben in einem internen Schreiben, wonach für den Fall, dass die Privatisierung scheitert, Nulllohnrunden (eingefrorene Gehälter) und Personalabbau drohte. Die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns des Verkaufs sehe er aber nicht, betonte der Vorstand heute, Mit dem Verkauf hoffe er ja auf "Partnersynergien", mit denen ein schmerzliches Restrukturierungsprogramm erspart bliebe.

Betriebsrat: Also doch Vorleistung an Käufer
Die AUA-Belegschaftsvertretung, die sich im laufenden KV-Streit gegen arbeitsrechtliche Schlechterstellungen von Mitarbeitern stemmt und auf einen höheren KV-Abschluss drängt, sieht sich nach heutigen Aussagen von AUA-Chef Alfred Ötsch in ihren Sorgen bestätigt, dass der Belegschaft tatsächlich eine Art Verkaufsrabatt abverlangt werden soll. Von "Vorleistungen" für den Verkauf an eine ausländische Airline ist bei den Mitarbeitern die Rede.

Junghans wirft Ötsch auch vor, mit Drohgebärden zu operieren. Auch "Nulllohnrunden" könne der Vorstand nicht einseitig anordnen. Ötsch hatte solche Nullrunden und Personalabbau in den Raum gestellt, falls der AUA-Verkauf im letzten Moment scheitern würde. Wer garantiere der Belegschaft, dass nicht auch in einer strategischen Partnerschaft mit einem neuen Eigentümer Personalabbau droht, gab Junghans am Nachmittag zu bedenken.




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